Tagesschau-Beitrag: Markus Mann über E-Mobilität im Unternehmensfuhrpark

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Die anhaltend hohen Kraftstoffpreise setzen Unternehmen weiterhin unter Druck – und rücken Alternativen im Fuhrpark stärker in den Fokus. In der Tagesschau (20.00 Uhr) vom 14.04.2026 äußert sich Markus Mann von den Westerwälder Holzwerken (Rheinland-Pfalz) zum Thema Elektromobilität im Unternehmensfuhrpark.

Bemerkenswert: Der Betrieb hat bereits vor vier Jahren damit begonnen, seine Flotte schrittweise umzustellen. Inzwischen sind 8 von 12 Lkw elektrisch unterwegs. Markus Mann berichtet im Beitrag aus der Praxis, welche Rolle E-Mobilität im Betrieb spielt und welche Überlegungen bei der Umstellung entscheidend sind.

Das Video zur Sendung finden Sie nachstehend. Der Beitrag startet bei Minute 9:35.
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35 Jahre Pioniergeist: Die erste Windkraftanlage im Windpark Langenbach

MANN Energie Windkraftanlage 35 Jahre

Ein besonderes Jubiläum: Seit nunmehr 35 Jahren dreht sich die Windkraftanlage über Langenbach unermüdlich im Westerwälder Wind – ein eindrucksvolles Symbol für Weitblick, Innovationskraft und nachhaltiges Handeln.

Bereits im Jahr 1991 bewies Markus Mann echten Pioniergeist. Zu einer Zeit, in der erneuerbare Energien noch in den Kinderschuhen steckten, erkannte er das Potenzial des Westerwälder Windes und errichtete im Windpark Langenbach die erste kommerziell genutzte Windkraftanlage in Rheinland-Pfalz. Die Anlage des Herstellers „Bonus Energy A/S“ setzte damals Maßstäbe: Mit einer Leistung von 150 kW war sie die größte serienmäßig verfügbare Windkraftanlage ihrer Zeit.

Heute, 35 Jahre später, hat sich die Windenergietechnik rasant weiterentwickelt. Moderne Anlagen sind leistungsstärker, effizienter und technologisch hochkomplex. Doch die Anlage von damals läuft bis heute zuverlässig und zeugt von der Qualität ihrer Bauweise ebenso wie von der nachhaltigen Vision ihres Gründers.

Dieses Jubiläum steht nicht nur für eine technische Erfolgsgeschichte, sondern auch für den Beginn einer Entwicklung, die die Energieversorgung nachhaltig verändert hat. Die Windkraftanlage in Langenbach ist damit weit mehr als nur ein Stück Technik – sie ist ein Meilenstein der regionalen Energiewende und ein beeindruckendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man frühzeitig an die Zukunft glaubt.

Die Tiere stehen darauf

Die Ponys haben sich sofort darauf gelegt – das war beeindruckend“, erzählt Andrea Mais, „das ist nicht normal! Wahrscheinlich mochten sie den Geruch. Oder es sah so kuschelig aus.“ Mais‘ Mitstreiterin Anja Hedden hatte kurz zuvor erstmals „Supreme Pellets“ auf dem Boden eines Unterstands und Futterplatzes für die Ponys verteilt, von denen Mais spricht. Diese leben mit vielen anderen Tieren auf dem „Gnadenbrothof Ziegenhain e. V.“, und allen gemein sind schwere Lebensgeschichten. Dem Tierschutzprojekt haben die „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) eine Palette der von ihnen hergestellten, besonderen Pellets gespendet, die sie als Einstreu für Stallungen anbieten (siehe „Keine Stärke, aber mehr Dampf“). Unterstützung in Form von Sach- und Geldspenden sowie die Arbeitszeit Ehrenamtlicher kann die Einrichtung in der Nähe von Weyerbusch (Kreis Altenkirchen) wahrlich brauchen.

Andrea Mais berichtet, dass die Tiere wie Pony Schöne Schwarze die neue Einstreu vom ersten Tag an super angenommen haben.

Anja Hedden und Andrea Mais gehen über eine Wiese einen kleinen Hang hinauf, der sich hinter einer Halle des Gnadenbrothofs erstreckt. Am oberen Ende des Geländes weiden sechs Pferde. Die Lusitano-Stute Blanquita kommt gleich herangetrabt. Das Tier ist auffällig hell, perlmuttartig gefärbt, seine Augen sind fast weiß. „Sie ist ein Doppel-Cremello“, erklärt Mais, „hat eine genetische Störung aufgrund von Überzüchtung und ist sehr lichtempfindlich. Sie muss im Sommer sogar eine Sonnenbrille tragen.“ Nach mehreren schweren Reitunfällen mit der Vorbesitzerin (Mais: „Eine toxische Beziehung“), die die Reiterin gar auf die Intensivstation brachten, schien das Schicksal als Schlachtpferd unausweichlich, wie Mais berichtet. Doch 2024 konnte Blanquita auf den Gnadenbrothof geholt werden, überstand den Transport dorthin sogar mit einem zuvor gebrochenen Griffelbein.

Nun drängt sich Hengst Prinz in den Vordergrund. Er könne ein wenig rüpelhaft sein, zwinkert Mais, und wie zur Bestätigung schubst er die seit 2015 im Gnadenbrothof-Verein engagierte Anja Hedden mit dem Schädel, so dass die Frau fast umfällt. Der frühere Besitzer des Pferdes erschoss sich. Die neue Heimstatt auf dem Gnadenbrothof war dessen einzige Zukunftsperspektive.

Solche und ähnliche Viten haben im Grunde alle Schweine, Pferde, Schafe, Truthennen, Gänse, Hunde, Katzen, Kaninchen, die auf dem zehn Hektar großen Areal in Ersfeld leben. Rund 50 Tiere werden laut Hedden stets dort betreut.

Platz für weitere Tiere wäre auf den zum Hof gehörenden Flächen reichlich.

Vom Platzangebot her könnten es jedoch viel mehr sein – allerdings fehlt es dazu nicht nur an finanziellen Mitteln für leicht vier- oder gar fünfstellige Tierarztrechnungen, für Futter oder Medikamente, sondern vor allem an Ehrenamtlichen. Denn morgens müssen die Tiere von ihren Schlafplätzen auf die Freiflächen gebracht werden, abends retour. Medikamente sind zu verabreichen, Fütterung und Ausmisten sind ebenso zu erledigen.

Hofgründerin Andrea Mais, hier mit Katze Milou, versorgt seit 1987 Tiere in Not.

Hofgründerin Andrea Mais hat das Tierschutzprojekt 1987 gestartet, wie sie schildert. Sie stammt gebürtig aus Bad Honnef, das Gnadenbrothof-Vorhaben begann sie zunächst im nahen Bonn. „Da gab es irgendwelche Hunde, die ich gefunden habe auf der Straße. Dann kam ein Pferd dazu, es wurden im Laufe der Zeit immer mehr Tiere“, blickt sie zurück.

Der Einsatz für die Lebewesen sei für sie selbstverständlich, im Elternhaus sei sie mit Tierschutz aufgewachsen. „Außerdem war da immer eine soziale Ader“, ergänzt sie. Vater und Mutter leisteten oftmals humanitäre Hilfe von Indien bis Afrika. „Es war für uns total normal, ehrenamtlich zu arbeiten“, betont die Tochter. Ihre Eltern betrieben eine Firma im Architektur- und Baubereich, „und die Moral war ganz klar: In dem Moment, in dem man selbst versorgt ist, hat man etwas für andere zu tun!“

Hinzu sei sicherlich ihre „total katholische Schulzeit mit Nonnen“ gekommen, bilanziert die Gnadenbrothof-Gründerin. Die Ordensfrauen seien Franziskanerinnen gewesen, die sich auf den Heiligen Franziskus (Franz von Assisi, der 1181 bis 1226 lebte) bezogen. Er gilt bis heute als Schutzpatron der Tiere und des Umweltschutzes, da er alle Geschöpfe als Brüder und Schwestern betrachtete.

Andrea Mais studierte Sozialarbeit in Bonn und Köln, war eine Zeit lang selbständig mit einer Künstleragentur in Bonn, machte selbst Musik, übernahm Erziehungsbeistandschaften im Auftrag von Jugendämtern, hat einen Film gedreht und vieles mehr. Sie war privat eine Weile in Windeck zu Hause, suchte derweil ein Gelände für inzwischen mehrere Pferde und Hunde. „Mit Ausnahme eines Pferdes alles gerettete Tiere“, sagt sie. Sie mietete eines Tages einen Bauernhof in Ziegenhain: Die kleine Ortsgemeinde im nördlichen Westerwald gab dem Hilfsprojekt seinen aktuellen Namen.

Anja Hedden kümmert sich um Lusitano Blanquita. Fotos: Schmalenbach

Das heutige Anwesen in Ersfeld hat Mais nach dem Tod der Eltern von ihrem Erbe gekauft. Dort, nahe der Ortschaft Weyerbusch in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, ist der Gnadenbrothof seit 2009 angesiedelt, nachdem ein örtlicher landwirtschaftlicher Betrieb im nicht einmal 80 Einwohner zählenden Dorf aufgegeben wurde. Mais konnte ihn mit allen Gebäuden und Ländereien erwerben.

Auf den dort nach der WWHW-Spende erstmals ausprobierten „Supreme Pellets“ findet es Schaf Aurelie gerade gemütlich. Es springt zwischen auf der neuen Einstreu stehenden Ponys herum. Das Tier stammt aus einem Versuchslabor und ist seit 2018 auf dem Hof in Sicherheit.

Jetzt drängt sich das amerikanische Miniaturpferd Surprise zwischen Ponys und Aurelie. Das Huftier wurde mit fehlgebildeten Hinterbeinen geboren, sollte eingeschläfert werden, da es, so die Begründung, niemals richtig laufen können würde. Andrea Mais und ihre Mitstreiter jedoch nahmen Surprise aus der Nähe von Wissen auf, ließen die Sehnen des seinerzeit zweijährigen Pferdes in mehreren Operationen in einer Tierklinik verstellen. Inzwischen ist das nunmehr dreijährige Tier recht munter unterwegs. Dessen Mutter kauften Tierschützer frei, sie lebt jetzt ebenso in Ersfeld bei Andrea Mais.

Mausi scheinen die „Supreme Pellets“ in der Kaninchen-Toilette zu gefallen.

Im Hintergrund stehen unterdessen zwei auffallend abgemagerte Ponys; sie sind erst zwei Tage in der Obhut der Tierschützer. Deutlich treten die Rippen der Tiere hervor: Sie wurden im Westerwaldkreis von den Behörden zwangsenteignet, da die Haltungsbedingungen gesetzeswidrig waren. Insgesamt 45 Tiere mussten daraufhin ein neues Zuhause finden…

So wie Schwein Leonardo. Im Innenhof des Bauernhofs von Andrea Mais betrachtet es neugierig den Besucher. Kurz darauf folgt ihm Samira. Beide Borstentiere wurden einst als Babys in einem Mülleimer im Oberwesterwald gefunden…

Solche und ähnlich erschütternde Geschichten bringen nahezu alle tierischen Bewohner des Gnadenbrothofs mit. Patoune, ein Australian Shepherd, ist da keine Ausnahme: Die acht Jahre alte Hündin, die den Gast freudig begrüßt, stammt aus Frankreich. Sie wurde auf dem Jakobsweg in den Pyrenäen von einem Auto überfahren. Ihr Körper ist nach überlebenswichtigen medizinischen Eingriffen voll Metall. Ihre Blase muss alle paar Stunden von einer Helferin entleert werden.

Andrea Mais hat einen ehemaligen Swimmingpool zum Salzwasserschwimmbecken für die Vierbeiner umfunktioniert. Für einige von ihnen eine wichtige Bewegungstherapie.

Krankheit und Tod der Besitzer seien Hauptgründe für Anfragen, ob sie ein Tier beherbergen könnten, beschreiben Andrea Mais und Anja Hedden. „Und gleichzeitig sind die Tierheime voll“, unterstreicht Erstere. Bis zu zehn Bitten um Aufnahme eines Tiere in Ersfeld erreichen den Gnadenbrothof – am Tag! „Wir kriegen so viele Anfragen jeden Tag – das kannst du dir gar nicht vorstellen“, nickt Mais bestätigend. Das Einschreiten von Veterinärämtern aufgrund nicht tiergerechten Umgangs mit den Lebewesen erhöht den Bedarf an neuen Quartieren ebenfalls. „Da gibt es Unvorstellbares. Katzen mit zugeklebten Gesichtern etwa“, schüttelt Mais den Kopf, während sie ihrer Katze Milou, die just auf ihren Arm gesprungen ist, liebevoll über das zottelige Fell streicht.

Anja Hedden schafft jeden Samstag auf dem Hof, da sie unter der Woche einer Erwerbsarbeit nachgeht.

Auf einmal ist hinter einem Fachwerkgebäude des Bauernhofs Hundegebell zu hören, das das Gespräch kurzzeitig unterbricht. Andrea Mais geht nachsehen, was der Grund der Aufregung ist. Anja Hedden empfiehlt dem Besucher vorher noch: „Wenn du in den Innenhof gehst, kommen halt immer zehn Hunde auf dich zu gelaufen – und dann musst du die streicheln und umarmen. Sonst finden die dich komisch!“ Tatsächlich sind die anfänglich wild umherspringenden Hunde rasch ganz zutraulich, nachdem alle elf anwesenden ein paar Streicheleinheiten des Besuchers bekommen haben. Hier ist das Bedürfnis nach Zuneigung von einem Menschen wohl nicht minder groß, als das nach Obdach und Futter…

Doch Menschen heutzutage für die ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen, zumal jüngere Generationen, sei unvergleichlich schwierig geworden, befinden Andrea Mais und Anja Hedden. So umfasst das Kernteam des Gnadenbrothofes, zu dem sie selbst gehören, insgesamt nur drei Akteurinnen.

Da ist jede Form der Unterstützung verständlicherweise mehr als willkommen. Mithin die Sachspende der WWHW, wenngleich Anja Hedden erläutert, dass man den perfekten Einsatz der Pellets erst ein wenig üben müsse, um sie mit der richtigen Menge Wasser anzufeuchten, damit sie im Stall optimal wirken (siehe dazu auch „Keine Stärke, aber mehr Dampf“).

Offenbar fühlt sich auch Australian Shepherd Patoune auf dem neuen Untergrund wohl.

Andrea Mais ist unterdessen noch einmal zu den Schafen und Ponys gegangen, die sich weiterhin im Unterstand mit den „Supreme Pellets“ scharen. Mais staunt abermals: „Die Tiere stehen von Anfang an total gerne hier drauf.“

Uwe Schmalenbach

Keine Stärke, aber mehr Dampf

Nils Buchner dürfte froh sein, diesen „Arbeitskollegen“ zur Seite zu haben! Denn der übernimmt es für ihn, die länglichen Säcke von einem Förderband zu nehmen, sie zu heben und auf Paletten zu stapeln, während Buchner die Pellet-Absackanlage der „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) bedient. Elf Lagen schichtet der „Kollege“ übereinander, bestehend aus je fünf Säcken – jeder davon 14 Kilogramm schwer. Dieser „Kollege“ jedoch ist kein Mensch, sondern ein Roboter. Und er greift die Säcke auch nicht, sondern packt sie mittels Unterdruck mit vier Saugnäpfen. „Supreme Pellets“ steht auf diesen Säcken. Ist da also etwas anderes drin als die bewährten Westerwälder Holzpellets?

Nicolai Klein schildert, dass die Oberfläche der „Supreme Pellets“ ideal sei, um Flüssigkeiten im Stall aufzunehmen.

Nach dem Absacken laufen die Säcke über ein Band zum Roboter.

„Grundsätzlich produzieren wir Holzpellets nach der Norm DIN EN ISO 17225-2“, erläutert Daniel Rahn, Prokurist und Projektingenieur der WWHW. Er kümmert sich ums Qualitätsmanagement der Produkte und führt aus, dass die besagte Norm haarklein regele, wie Holzpellets als Brennstoff zu produzieren sind, damit sie die auch als „A1“ bekannte Qualitätsklasse erreichen.

Rahn hat im Pelletwerk der WWHW, wo er Produktproben begutachtet, eine lange und recht komplexe Tabelle dabei. In der sind gewiss zwei Dutzend „Prüfpflichtige Produkteigenschaften“ in detaillierten Grenzwerten aufgeführt, die zur Erreichung der Norm eingehalten werden müssen – von der „Schüttdichte“ bis zum Durchmesser.

„Natürlich: Den Kunden, der unsere Holzpellets als Einstreu in seinem Stall benutzt, interessiert dann die mechanische Festigkeit, Themen wie der Heizwert oder die Ascheerweichungstemperatur eher weniger“, ergänzt Rahn mit Blick auf das Papier augenzwinkernd. „Für ihn sind ganz andere Faktoren entscheidend!“

Daniel Rahn überprüft die Pellets direkt an der Presse.

So sei zum Beispiel für den perfekten Betrieb einer Pelletheizung wichtig, dass der Feinanteil möglichst gering ist, der mit der mechanischen Festigkeit zusammenhängt: Werden die Pellets in den Bunker eingeblasen und reiben dabei aneinander, soll möglichst wenig Abrieb entstehen. Ebenso ist der Heizwert ein wichtiges Kriterium, um „möglichst viel Wärme fürs Geld“ in die Stube zu bekommen. „All das ist im Stall jedoch überhaupt nicht erheblich“, betont Rahn, „dort liegen die Pellets auf dem Boden und sollen die Stallhygiene verbessern.“

„Dabei ist eher die Oberflächenstruktur der Pellets von

Interesse, ob sie zum Beispiel Flüssigkeiten besser aufnehmen können“, fügt Nicolai Klein hinzu. Er ist Betriebsleiter des Kraft- und Pelletwerks bei den WWHW und stellt heraus, dass der klassische Pellet zum Verfeuern eine vergleichsweise glatte Oberfläche aufweise. Diese besonders gute Festigkeit erreichen die Westerwälder in ihren Pelletpressen, indem den Holzspänen, die zu Pellets gepresst werden, ganz geringe Mengen Stärke zugesetzt werden, verrät Klein einen technischen Kniff.

„Der Anteil der Stärke in unseren Pellets liegt allerdings bei maximal 0,3 Prozent“, erklärt Daniel Rahn. Diese Stärke sei vollkommen natürlich, da es sich im Grunde um Mehl handele, wie man es daheim zum Kuchenbacken benutzt: „Das ist eine Mehlmischung, meist Mais und Weizen. In den Mühlen, in denen Getreide zu Mehl vermahlen wird, fällt sogenannte ‚An- und Abfahrware‘ an. Wenn in den Walzenstühlen beispielsweise von Maismehl auf Weizen umgestellt wird, entsteht eine Vermischung in den Prozessen der Mühle, ehe alle Reste der vorher vermahlenen Mehlsorte aus der Anlage heraus sind“, schildert der Ingenieur. Um trotzdem Sortenreinheit in der Mehltüte hinzubekommen, werde diese An- und Abfahrware in der Mühle in eigene Silos abgezweigt. „Und diese Mehlreste werden uns dann als ‚technische Stärke‘ verkauft“, ergänzt er. Dabei sei es egal, um welches Mehl es sich handele. Für die Pelletproduktion sei allein die in den Mehlen enthaltene Stärke wichtig.

Und hier wird der wichtigste Unterschied zu den „Supreme Pellets“ für den Stall deutlich: In denen fehlt die geringe Menge Stärke. Denn im Stall ist es eher gewollt, dass die Pellets nicht ganz so fest sind wie die original Westerwälder Holzpellets für die Heizung. „Im Stall werden Pellets ohnehin vor dem Einsatz ein bisschen mit Wasser benetzt“, sagt Daniel Rahn, „man geht einmal mit dem Gartenschlauch drüber, weicht die Pellets etwas ein, so dass sie zerfallen – nicht staubig allerdings, sondern eher griffig.“

Um diese andere Beschaffenheit hinzubekommen, werde nicht nur auf die sonst bewährte Stärke verzichtet, so Nicolai Klein: „Wir spielen auch noch mehr mit der Dampfzufuhr bei den ‚Supreme Pellets‘. Vor unseren Pelletpressen gibt es einen Reifebehälter. Dort wird den Holzspänen Dampf aus unserem benachbarten Biomasseheizkraftwerk hinzugefügt. Das passiert auch im normalen Pressprozess für die Brennstoff-Pellets. Aber bei denen für die Einstreu geben wir viel mehr Dampf drauf, um eine offene Oberfläche der fertigen ‚Supreme Pellets‘ hinzubekommen“, erläutert der Betriebsleiter. „Die Oberfläche wird dadurch nicht so glänzend-gebunden, sondern eher schuppig, offenporig.“ Und das, so Klein, komme der Fähigkeit der „Supreme Pellets“, die Feuchtigkeit im Stall besonders gut aufzunehmen und nebenbei Gerüche zu binden, sehr zugute.

Daniel Rahn unterstreicht abschließend noch, dass sich die beiden Pellet-Sorten in einer Hinsicht überhaupt nicht unterscheiden: „Beide sind 100-prozentige Naturprodukte! An beide Produkte legen wir die selben Nachhaltigkeitskriterien an: Ressourceneffizienz, Regionalität, eine niedrige Treibhausgasbilanz. Es sind auch in beiden Fällen Pellets aus chemisch unbehandelten Nebenprodukten aus unserem Sägewerksprozess gleich nebenan.“

„Mitarbeiter“ ohne Rückenschmerzen: Der Roboter übernimmt das Stapeln der „Supreme Pellets“.

Nils Buchners stählerner „Kollege“ hat unterdessen schon wieder elf Lagen Säcke voll „Supreme Pellets“ aufeinander gestapelt, die direkt nebenan im „Absacker“

befüllt und verschlossen worden sind. Die fertig bestückte Palette fährt daraufhin auf einem Förderweg zu einer Station, wo die Säcke darauf für mehr Stabilität beim Transport in Folie eingewickelt werden.

Es ist gewiss gut für seinen Rücken, dass Buchner die in Summe 770 Kilo schweren Gebinde je Palette nicht den ganzen Arbeitstag über selbst heben muss – sondern am Bildschirm den Roboter dirigieren kann.

🌍 Licht aus für den Klimaschutz – und für die Zukunft

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Die „Earth Hour“ steht jedes Jahr symbolisch für mehr Bewusstsein im Umgang mit Energie. Doch in Zeiten steigender Preise und globaler Unsicherheiten bekommt diese Botschaft eine ganz neue Dringlichkeit.

Energie sparen ist längst kein reines Symbol mehr – es ist zur echten Notwendigkeit geworden.

Umso besser, wenn dieser Schritt bereits gegangen ist: Die Westerwälder Holzwerke zeigen, wie moderne Energieautarkie heute aussehen kann.

Buche: Stabiler und auf dem Markt begehrt

Man muss schon sehr genau hinschauen, um es zu erkennen. Doch bei dem mächtigen Stamm, der in diesem Moment auf der Blockbandsäge der „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) bearbeitet wird, ist zwischen den umherfliegenden Sägespänen eindeutig ein feiner Wassernebel auszumachen! Das habe mit einer neuen Produktkategorie zu tun, klärt der Betriebsleiter des Langenbacher Familienunternehmens auf: Die WWHW haben seit kurzem zusätzlich zu ihren bisherigen Sortimenten den Buchenholzeinschnitt im Programm.

Buchen-Kanthölzer bei den WWHW: Die Buche ist regional verfügbar und es gibt auch einen regionalen Markt dafür. Fotos: Schmalenbach

„Rheinland-Pfalz ist ein ‚buchenstarkes‘ Land. Sie ist hier beheimatet“, sagt Jan-Philipp Alhäuser, „aber es gibt in unserem Bundesland keinen nennenswerten ‚Buchensäger‘ mehr, der größere Mengen dieser Holzart verarbeiten könnte oder möchte.“ Genau das jedoch können dem Betriebsleiter des Sägewerks zufolge nunmehr die WWHW anbieten.

Was Alhäuser ausführt, bestätigt die Statistik von Landesforsten Rheinland-Pfalz: „Die Buche nimmt den höchsten Waldflächenanteil aller Baumarten in Rheinland-Pfalz ein“, heißt es auf der Website der Zentralstelle der Forstverwaltung. „Auch von Natur aus käme die Buche am häufigsten bei uns vor. Sie wächst derzeit auf 23,1 Prozent der Waldfläche. Damit liegt sie vor der Eiche (21,5 Prozent). Danach folgt die Fichte (14,9 Prozent).“

Buche, ein heimisches Material, ein regionales Holz also, das quasi „vor der Haustür“ genutzt werden kann. Hinzu kommt, dass es eine explizite Nachfrage nach Buchenpalettenbrettern gibt, wie sie die WWHW liefern können.

Der Vorteil der Bretter aus Buche sei insbesondere deren gegenüber Nadelholz höhere Festigkeit, erläutert Jan-Philipp Alhäuser. „Manche Kunden bauen Hybridpaletten, also ein Nadelholz und Buche kombiniert.“ Das bringe ihnen eine größere Stabilität. „Andere Kunden wiederum verraten uns auch nicht unbedingt, was sie mit dem Buchenholz genau machen; das ist ja auch legitim. Wir sind nur dazu da, das Material zu liefern“, sagt er.

Ein weiterer Aspekt erhöht die Nachfrage nach Harthölzern wie der Buche: Der Nadelholzmarkt ist momentan recht knapp. Denn der Nadelholzeinschlag fällt in Deutschland vergleichsweise gering aus, es wächst derzeit mehr Wald zu, als an Bäumen entnommen wird. „Das kann man zwar im Hohen Westerwald kaum glauben, da der Borkenkäfer unsere Waldbestände hier zerstört hat. Deutschlandweit betrachtet gibt es diesen Zusammenhang jedoch“, verdeutlicht Alhäuser.

Die Spannungen im Holz haben eine enorme Kraft, wie am linken Stamm zu sehen ist.

Technisch sei Buchenholz dabei allerdings eine Herausforderung – insbesondere, wenn das Rundholz Spannungen aufweist. „Wir haben da viel probiert und viel gelernt im vergangenen Jahr“, berichtet Jan-Philipp Alhäuser, während er auf dem Rundholzplatz des Westerwälder Unternehmens, in dem er tätig ist, zwei Buchenabschnitte zeigt: Der rechte hat eine glatte Schnittfläche. Der linke jedoch sieht wie geviertelt aus, lange Risse durchziehen ihn. Diese entstehen, so schildert der Betriebsleiter, durch Spannungen im Holz, die beispielsweise beim Fällen freiwerden können.

Doch auch wenn man Buchenholz auf der Sägelinie schneidet, werden mitunter eben solche Spannungen freigesetzt, was dazu führt, dass sich das Holz in der Säge bewegt. Das ist einerseits mitunter für die Maßhaltigkeit abträglich. Zudem kann andererseits die freiwerdende Energie sogar die in der Sägelinie eingesetzte Kreissäge beziehungsweise deren Sägeblätter beschädigen!

Die WWHW haben darum in den vergangenen Monaten viel getestet, um trotz der Besonderheit der Buche die Top-Qualität herstellen zu können, für die das Unternehmen im Nadelholzbereich schon eine Weile bekannt ist.

Und dabei kommt der feine Feuchtigkeitsnebel ins Spiel, den man zu Anfang beim Sägen zwischen den Spänen erkennen konnte: Die Blockbandsäge, die Bohlen aus den Buchenstämmen schneidet, und ebenso die in der Sägelinie folgende Kreissäge, die diese Bohlen wiederum in einzelne Bretter zerteilt, werden mit Wasser besprüht, damit Sägespäne gebunden und die Sägeblätter gekühlt werden. „Das ist zwar oft ein subjektives Gefühl, aber die Kollegen, die die Säge bedienen, sagen, so säge sich das Buchenholz besser“, erklärt Jan-Philipp Alhäuser den Sinn des technischen Kniffs.

Das Schnittbild beim Scharfschnitt…

Alhäuser ergänzt, dass es bei der Buche einen weiteren, erheblichen Unterschied zur sonstigen Arbeitsweise der Langenbacher gebe: Nadelholz werde dort vorwiegend im „Scharfschnitt“ gesägt, was im Prinzip bedeutet, dass vom Stamm parallel Bohlen abgeschnitten werden. Anschließend wird der restliche Stamm um 180 Grad gewendet und abermals werden die Platten parallel zur Stammachse abgeschnitten.

…und beim Blockschnitt, mit dem die Buche bearbeitet wird.

Die Buche hingegen werde im „Blockschnitt“ von vier Seiten angeschnitten: Seitlich werden Bretter oder schmale Kanthölzer abgetrennt. Der Stamm wird anschließend jedoch nicht nur einmal, sondern drei- bis viermal gewendet, um wiederholt Seitenware abschneiden zu können.

Diese Vorgehensweise, so der Betriebsleiter, sei nicht allein technisch sinnvoll, um die schwieriger zu sägende Buche bearbeiten zu können, sie erhöhe zudem die Ausbeute. Diese sei dann noch besser als beim Nadelholz, nur ein besonders geringer Anteil des Stammes bleibe auf diese Weise als Sägenebenprodukt für eine andere Nutzung wie die Pelletproduktion übrig. „Das Verfahren wird durch das mehrfache Drehen ein bisschen aufwändiger, denn es erfordert mehr Bearbeitungszeit je Stamm. Doch dafür ist eben die Ausbeute besser“, stellt Alhäuser die Vorteile noch einmal heraus.

Jan-Philipp Alhäuser erzählt, dass das Unternehmen erst lernen musste, wie man Buche perfekt schneidet, um jetzt Top-Qualität auch mit dieser Holzart herstellen zu können.

So ist das Unternehmen jetzt also gut aufgestellt, um die beschriebene Nachfrage nach Buchenholzbrettern befriedigen zu können. Zumal kleine Sägewerke, die Buche vorwiegend für die Möbelindustrie bearbeiten, vielfach nicht die Kapazitäten besitzen, um die beispielsweise bei der Palettenherstellung von der Industrie benötigten Mengen zu liefern – anders als die WWHW.

Dort sei die Aufnahme des Buchenholz‘ ins Programm gleichwohl noch nicht die letzte Weiterentwicklung im Angebot, betont Jan-Philipp Alhäuser: „Generell sind wir auf dem Weg, uns hinsichtlich der Holzarten möglichst breit aufzustellen – und ebenso Douglasie, Ahorn oder Lärche zu verarbeiten. Denn auch solche Holzarten sind auf dem Markt stark gesucht.“

Kaufen, wo zuvor weniger eingeschlagen wurde

Noch ist es ein ungewöhnliches Bild: Die Eisenbahn schafft große Mengen Rundholz zum Bahnhof Rosenheimer Lay (siehe „60-mal Rosenheimer Lay und zurück). Empfänger sind die „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW). Mit deren geschäftsführendem Gesellschafter Markus Mann sprach Uwe Schmalenbach über die Herkunft des Rohstoffs.

Auf den Rundholzplatz der WWHW kommen nun mehr Holzarten.

Vor geraumer Zeit haben Sie schon einmal die Anlieferung von Rundholz für Ihre Sägewerke auf dem Schienenweg getestet. Nun ist vor einigen Tagen erneut ein solcher Transport angekommen. Was ist das für ein Zug gewesen?

Dieses Mal haben wir Holz aus Brandenburg gekauft.


Borkenkäferspuren in einem Rindenstück in einem mittelhessischen Wald: Stürme oder Käferbefall vernichten große Waldgebiete in Europa. Fotos (3): Schmalenbach

Holz aus Brandenburg?

Es ist ja so: Als zum Beispiel der Sturm „Lothar“ in Frankreich gewütet hatte (Anm. d. Red.: Dabei sowie dem folgenden Sturm „Martin“ starben in Frankreich im Dezember 1999 140 Menschen und wurden 140 Millionen Kubikmeter Holz verwüstet), da kam über ein Jahr lang das Holz aus Frankreich nach Deutschland. Dafür wurde hierzulande weniger eingeschlagen. Dann hatten wir mal 2007 bei uns „Kyrill“ und so weiter.


Was hat das mit der Holzherkunft jetzt zu tun?

Stürme wirken sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich stark aus. In Regionen, die nicht oder nicht so arg betroffen waren, musste seinerzeit weniger Holz „zwangsweise“ geerntet werden. Man spart dort den Einschlag quasi für später auf. Dort sind die Bäume in der Zwischenzeit dicker geworden, sind seither weiter gewachsen, haben mehr Volumen bekommen. Und jetzt kaufen wir in den Regionen, in denen zuvor weniger eingeschlagen worden ist. In diesem Fall ist es Brandenburg gewesen. Neulich hatten wir einmal Holz aus der Nähe der bayerisch-tschechischen Grenze bekommen, und so wird sich das immer einmal wieder ergeben.


Nach Zahlen des „Johann Heinrich von Thünen-Instituts“, das ist ein Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, wurden 2024 insgesamt 4,1 Millionen Kubikmeter Laub- und Nadelholz nach Deutschland eingeführt, aber 7,5 Millionen Kubikmeter ausgeführt. Haben wir in Deutschland mehr Holz, als wir von diesem Rohstoff selbst benötigen?

Deutschland ist ein „Wald-Land“. In Deutschland wächst mehr zu, als vor Ort gebraucht wird. Kommt dann noch ein Großschadenereignis wie Sturm oder Käferbefall hinzu, geht viel Holz in den Export. In der Spitze ging sehr viel nach China. Das hat uns natürlich wehgetan, dass wir so viel von dem wertvollen Rohstoff, der auf einmal anfiel, nicht selbst verarbeiten konnten, da die Kapazitäten dafür natürlich begrenzt sind; bei den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) wie in ganz Deutschland.



Warum hebt man Kalamitätsholz nicht auf, bis man wieder Kapazitäten frei hat?

Rundholz ist nicht ewig lagerfähig. Ich kann es nicht endlos liegenlassen, sonst wird es rissig oder fault, deshalb ist das Holz damals in den Export gegangen. Es gibt noch einen Aspekt: Ich komme gerade von einer Fachtagung zurück. Dort hat sich Prof. Dr. Hubert Röder (Anm. d. Red: vom Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München) dafür ausgesprochen, die bei uns vorhandenen Monokulturen im Wald stark zurückzubauen und Mischwälder anzulegen – jedoch nicht erst zu warten, bis der ganze Bestand kaputt ist, wie es im Westerwald und Sauerland schon passiert ist. Dieser Waldumbau erfordert Durchforstung der Altbestände und Unternehmen wie unseres, die etwas aus diesem entnommenen Holz machen. Nebenbei betreiben wir eigentlich zugleich CCS.



Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich der Begriff „Carbon capture and storage“. Was bedeutet das?

Die großen Energiekonzerne wollen das CO2 aus der Luft holen und irgendwo in der Nordsee vor Norwegen verpressen. Das kann man viel einfacher haben, indem man „natürliche CCS-Technik“ nutzt und den entnommenen Baum am besten – langlebig – in einem Holzhaus verwendet. Denn das im Holz gespeicherte CO2 wird so jahrzehntelang festgehalten. Im Wallis in der Schweiz gibt es Holzhäuser, die sind fast 2.000 Jahre alt! In Norwegen haben meine Frau und ich auf einer Reise eine gigantische hölzerne Stabkirche besucht, die war 800 Jahre alt. Das ist doch eigentlich CCS in seiner besten Form.

Eine hölzerne Stabkirche in Norwegen. Foto: monikawl99


Kann man die Bäume nicht einfach im Wald lassen – samt gespeichertem CO2?

Auch in einem naturbelassenen Urwald gibt es irgendwann Verrottung. Und dann hat er sein maximales Volumen an CO2-Bindung erreicht. Also muss man schauen, wo ist das Optimum für CO2-Speicherung im Wald? Wenn ich junge, vitale Wälder habe, vielleicht Nadelbäume, die 40 bis 60 Jahre alt sind und in ihrer besten Phase stehen, habe ich damit auch die beste „CO2-Einfangmöglichkeit“. Wenn man den Wald dahin trimmt, dass man Bäume entnimmt, wenn sie ihr Optimum überschritten haben, so hat man gute Effekte für den Klimaschutz und ebenso wirtschaftlich betrachtet einen Ertrag.


Also werden Sie auch in Zukunft wieder Züge mit Holz solcher Herkünfte bestellen?

Ja. In Frankreich gibt es in Wäldern eine ähnliche Situation, wie wir sie hier bei uns vor vier, fünf Jahren hatten. Das entsprechende Holz werden wir wahrscheinlich mit Binnenschiffen befördern lassen und anschließend auf die Bahn umladen lassen – um den Lkw einfach nicht auf weiten Strecken einsetzen zu müssen, sondern nur noch fürs letzte Stück wie eben von der Rosenheimer Lay bis zu uns auf den Hof. Das ist eigentlich unser Ziel. Wir gehen davon aus, dass wir künftig im Zwei-, Drei-Wochenrhythmus Holz per Bahn kommen lassen.


Ändern sich dadurch auch die Holzarten?

Ja, wir haben zum Beispiel vor kurzem erstmals Ahorn erhalten. Durch eine größere Vielfalt der Holzarten können wir die Bedürfnisse von immer mehr Kunden decken, die für spezielle Anforderungen eben ein Sägewerk suchen, das genau das passende Holz liefern kann.

60-mal Rosenheimer Lay und zurück

„Der Markus hat zu mir gesagt: ‚Du bist jetzt der Bahnhofswärter.‘ Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll“, lacht Stefan Sturm, wie er so von der scherzhaften Bemerkung seines Chefs Markus Mann erzählt. Tatsächlich ist Sturm gerade auf dem Weg zu einem Bahnhof: Mit einem elektrisch angetriebenen „DAF XD“-Lkw zieht er einen für den Holztransport geeigneten Auflieger zur Rosenheimer Lay.

Am einst für den Basaltabtransport angelegten Bahnhof lädt Stefan Sturm Holz auf den E-Lkw. Da er ein routinierter Baggerfahrer ist, kann er auch diesen Schritt selbst erledigen. Fotos (7): Schmalenbach

Ältere Westerwälder kennen noch den Namen „Kotzenrother Lay“, der für die Rosenheimer Lay einst ebenfalls gebräuchlich war. In einem dort gelegenen Steinbruch wurde Basalt abgebaut, ein seinerzeit begehrtes Baumaterial, das an vielen Stellen des Westerwalds aus dem Boden geholt wurde. 1976 endeten die Arbeiten. Zurück blieb ein heute unter Naturschutz stehender Landschaftsraum zwischen den Gemeinden Elkenroth und Rosenheim sowie unter anderem der Bahnhof, in dem früher das Gestein auf den Zug verladen wurde.

In Garnituren mit maximal fünf Waggons je Durchgang aufgeteilt, ist das Holz aus dem Komplettzug zur Rosenheimer Lay gefahren worden. Foto: WWHW

Zu eben diesem Bahnhof, der heute den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) gehört, wurden Mitte Februar circa 1.800 Festmeter Rundholz für die Palettenholzproduktion des Langenbacher Unternehmens transportiert – auf dem Schienenweg. Ein Komplettzug mit 27 Waggons fuhr dazu zunächst nach Scheuerfeld bei Betzdorf, wo es einen Abzweig von der Siegstrecke gibt. Von dort aus wurde die Fracht über den Rangierbahnhof Bindweide zur Rosenheimer Lay gebracht, aufgeteilt auf maximal fünf Waggons je Durchgang.

An der Rosenheimer Lay ist das Holz binnen zweier Tage rasch abgeladen und zwischengelagert worden, damit der Zug zügig wieder frei wurde für andere Transporte. Und nun muss das Rundholz „portionsweise“ nach Langenbach geschafft werden – auf der Straße, da die ehemalige Trasse der „Westerwaldbahn“ in dieser Richtung in Elkenroth endet und die intensiven Bemühungen der WWHW um eine Anbindung ihres Sägewerkes an diesen alten Schienenstrang scheiterten (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete).

Auf dem Gelände ist das Holz zwischengelagert worden, um es anschließend von dort in etwa 60 Touren nach Langenbach zu fahren.

Dessen ungeachtet, stellt die gemeinnützige Interessenorganisation „Allianz pro Schiene“ die Umweltfreundlichkeit der Eisenbahn als Verkehrsträger heraus: „Die Bahnen fahren mit Strom, der schon jetzt zu über 60 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Damit sind die Bahnen das umweltfreundlichste Verkehrsmittel für unsere Mobilität. (…) Ein Güterzug verursacht pro Tonne je Kilometer nur ein Viertel so viel Kohlendioxid (CO2) wie ein Lkw.“ Eben wegen dieses ökologischen Vorteils hätten die WWHW ihr Rundholz gerne vollständig auf Schienen befördern lassen.

Nachdem dies aus den genannten Gründen nun nicht möglich ist, werden die letzten acht Kilometer vom Bahnhof Rosenheimer Lay bis zum Werksgelände immerhin mit elektrischen Lkw überwunden. Dazu ist Stefan Sturm gerade mit einem weißen Leihfahrzeug ohne WWHW-Beschriftung unterwegs, da an diesem Tag zwei der acht eigenen E-Lkw des Unternehmens in der Werkstatt sind.

Stefan Sturm gurtet seine Fracht sicher an.

Normalerweise fährt Sturm einen der Holzumschlagbagger, mit denen auf dem Rundholzplatz der WWHW mächtige Polter angelegt und die beiden Sägelinien mit dem für die Sägeprodukte benötigten Holz aus diesem Vorrat versorgt werden. Ebenso arbeitet der WWHW-Mitarbeiter an der Hackerlinie, an der nicht sägefähiges Holz zur ökologischen Nutzung als Hackschnitzel oder Ausgangsmaterial für die Produktion von Westerwälder Holzpellets zerkleinert wird.

Mit dem Umschlagbagger kennt sich Sturm also gut aus, und da er außerdem einen Lkw-Führerschein besitzt, ist er der ideale Mann, um sich beim Pendelverkehr zwischen der Rosenheimer Lay und Langenbach einzubringen.

2,50 Meter lang und schätzungsweise 15 bis 40 Zentimeter stark sind die Rundholzabschnitte, die er mit dem Bagger nach seiner Ankunft am einstigen „Basalt-Bahnhof“ greift und sorgsam auf den Trailer am elektrischen „DAF“ lädt. Maximal fünf Stöße passen bei dieser Abschnittslänge hintereinander auf den Auflieger. Je zehn Rungen stützen das Holz auf beiden Seiten, doch bis zu deren Oberkante kann Stefan Sturm das Fahrzeug nicht beladen, um im Rahmen des gesetzlich zulässigen Höchstgewichts zu bleiben.

Der mit Rungen ausgestattete Auflieger ist eigens für den Rundholztransport gedacht.

Es dauert eine ganze Weile, bis das Holz verladen und anschließend Stoß für Stoß mit massiven Gurten festgezurrt ist. Die Rückfahrt nach Langenbach ist danach fast so schnell bewältigt wie der Hinweg zum Bahnhof: Der umweltfreundliche Elektro-Lkw hat genug Power, vor allem ein enormes Drehmoment, um auch den vollen Auflieger zügig zu bewegen.

Auf dem Betriebsgelände angekommen, fährt der WWHW-Mitarbeiter direkt zur Rundholzsortieranlage: Sein Kollege Noah Ermert steht schon mit einem gelben Umschlagbagger bereit, um den Trailer abzuladen und die Rundholzabschnitte direkt auf den Aufgabetisch der Rundholzsortierung zu legen.

Vom Trailer wird das Holz direkt auf die Rundholzsortierung gelegt.

Während die Rundholzabschnitte, die mit der ersten Fuhre Stefan Sturms an diesem Tag von der Rosenheimer Lay nach Langenbach gefahren worden sind, weiter in die für unterschiedliche Dimensionen bereitstehenden, verschiedenen Boxen an der Rundholzsortierung rollen, ist der Fahrer bereits erneut auf dem Weg zur Rosenheimer Lay. Die große Gesamtmenge Holz, die der Zug gebracht hat, erfordert immerhin etwa 60 Hin- und Rückfahrten mit dem E-Lkw, so dass der „Bahnhofsvorsteher“ – pardon: Stefan Sturm das Fahrzeug über die nächsten Tage gewiss noch etliche Male mehr zum Bahnhof am alten Basaltsteinbruch steuern muss.

Da die Bahnlinie etwa acht Kilometer vor dem Firmengelände endet, muss das letzte Stück auf der Straße zurückgelegt werden, unter anderem durch Elkenroth, wo es politischen Widerstand gegen die direkte Anbindung der WWHW an die Bahntrasse gab.

Interessiert, selbst am Wochenende zur Stelle und Teil eines Teams, das ein gut riechendes Produkt hat

„Die Mitarbeiter, die den Zug bei uns abladen und die temporäre Bewirtschaftung des Geländes drüben an der Rosenheimer Lay übernehmen, sind sonst natürlich hier im Sägewerk tätig“, schildert dessen Betriebsleiter Jan-Philipp Alhäuser im Gespräch mit der „Wäller Energiezeitung“. „Grundsätzlich ist die Motivation dazu bei den Mitarbeitern super – das kann man nur lobend erwähnen! Alle sind total interessiert, jeder ist bereit, auch am Wochenende zu helfen, falls der Zug halt an entsprechenden Wochentagen ankommt.“

Ist der Zug mit dem Holz erst da, müssen alle mitziehen, damit die Entladung klappt.

Warum das wichtig ist, erschließt sich, wenn man sich den zeitlichen Ablauf des jüngsten Rundholztransports auf dem Schienenweg (siehe „60-mal Rosenheimer Lay und zurück“) ansieht: Eigentlich hätte der Zug für die WWHW an einem Donnerstag ankommen und bis zum Abend des Folgetags entladen werden sollen. Doch Donnerstagmorgen um sieben Uhr – und nicht frühzeitiger – erhielt Alhäuser einen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass der Zug erst in Fulda stehe. Und der Lokführer krank sei… Mit der Konsequenz, dass das Holz um 24 Stunden verspätet eintreffen würde und darum bis einschließlich Samstag abgeladen werden müsste. „Das ist die größte Herausforderung für uns: dann zu reagieren, wenn der Zug auch wirklich vor der Tür steht“, sagt Jan-Philipp Alhäuser, „aber die Leute ziehen da mit!“

Woran liegt es nach Meinung des Betriebsleiters, dass die Stimmung im Team trotz mancher Widrigkeiten bei dem „Holz-per-Schiene-Projekt“ so gut ist? „Wir haben ein sehr schönes Produkt: Es riecht nicht nur gut und sieht gut aus, sondern es ist ein Produkt in einem nachhaltigen Kreislauf“, unterstreicht Alhäuser die Vorteile von Holz als Rohstoff. „Es wird nirgends in Deutschland wahllos Wald abgeholzt, sondern durchforstet und so das Material für unsere Produkte gewonnen.“ Darum sei seine Tätigkeit bei den WWHW „ein schöner Arbeitsplatz, mit dem man sich identifizieren kann.“

Der Betriebsleiter weist darauf hin, dass aufgrund des fortschreitenden Wachstums des Unternehmens auch weiteren Interessierten die Möglichkeit geboten werden könne, Teil der sinnstiftenden Teamarbeit zu werden und empfiehlt den Besuch der entsprechenden Website ww-holzpellets.de/jobs.

MANN in Kategorie Mobilität vorn

Nach der Premiere in 2022 ist dieser Nachhaltigkeitspreis 2025 zum zweiten Mal vergeben worden: Die „Grüne Welle“ des Westerwaldkreises solle „gute Beispiele sichtbar machen“ und „zeigen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sehr gut Hand in Hand gehen können.“ Gerade letzteres ist bei den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) und „MANN Naturenergie“ seit Jahren das Ziel des unternehmerischen Handelns. So überraschte es nicht allzu sehr, als die MANN-Gruppe bei der „Grünen Welle“ 2025 den ersten Platz in der Kategorie Mobilität erreichen konnte.

Bei den WWHW wird ein Auflieger mit Westerwälder Holzpellets in Säcken beladen. Gezogen wird die Fracht von einem vollelektrischen „Volvo“ mit einer 540 Kilowattstunden fassenden Batterie. Foto: Schmalenbach

Als MANN die erste Ladesäule des Westerwaldes aufstellte (in Hachenburg), gab es praktisch noch keine Elektroautos. Im Unternehmen selbst stehen inzwischen über 50 E-Fahrzeuge zur Verfügung – unter anderem für Mitarbeiter, die damit CO2-sparend zur Arbeit fahren können, und ebenso elektrische Lkw für die Auslieferung von Westerwälder Holzpellets, Schnittholz und Hackschnitzeln aus den WWHW.

Die Auszeichnung, die „MANN Naturenergie“ erhalten hat.

Innovationsgrad, Reichweite, erzielte Einsparung, strategische Perspektive: Anhand dieser Kriterien hat die Jury aus den insgesamt 24 eingereichten Projekten sechs Preisträger bestimmt. Im Gremium haben Henning Kreckel von der Sparkasse Westerwald-Sieg, Bastian Börsch von der Nachhaltigkeitsberatungsfirma „432Hz GmbH“, Katharina Schlag, Geschäftsführerin der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, sowie der Klimaschutzmanager des Westerwaldkreises, Christoph Brabender, mitgewirkt.

Die von dem Quartett für die Auszeichnung ausgesuchten Firmen sind für ihre Konzepte in den Bereichen Ressource Wasser, Kreislaufwirtschaft (in dieser Rubrik gab es zwei punktgleiche Preisträger), Energieeffizienz und Mobilität prämiert worden. Außerdem wurde ein Sonderpreis vergeben.

Man habe beim diesjährigen Wettbewerb bewusst etwas mit Unternehmen der Region machen wollen, erläutert Christoph Brabender gegenüber der „Wäller Energiezeitung“. Die „Grüne Welle“ solle zukünftig verschiedene Zielgruppen adressieren. So könnten bei einer nächsten Austragung zum Beispiel Schulen oder Privatpersonen angesprochen werden, beschreibt er. Geplant sei, den Wettbewerb alle zwei bis drei Jahre stattfinden zu lassen.

Eher ernsthaft wie Kay

Wer mehr wie „Agent K“ sei oder aber doch eher „Agent J“ ähnele, darüber hätten Markus Mann und er mehrfach – und nie ganz ernsthaft – diskutiert, schmunzelt Reinhard Weiß. Der Pensionär erinnert sich gut daran, als ihn sein damaliger Chef 2010 fragte, ob er bereit sei, neben ihm als Darsteller im Film „MANN ist bereit“ mitzuwirken. Dieser wurde in Anlehnung an die drei sehr erfolgreichen Science-Fiction-Komödien der „MEN-IN-BLACK“-Reihe (mit Tommy Lee Jones als Kay und Will Smith als Jay) gestaltet und sogar „vor großem Publikum“ im Hachenburger „Cinexx“ auf der Kinoleinwand gezeigt.

„Da haben wir uns damals im Prinzip ‚gesucht und gefunden‘, wie man so sagt“, erinnert sich Reinhard Weiß an seinen Einstieg im Unternehmen von Markus Mann.

Als Reinhard Weiß im Jahr 2003 bei „MANN Naturenergie“ anfing, da brachte er bereits berufliche Erfahrungen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien mit. Denn zuvor hatte er mit der Projektierung von Windenergieanlagen zu tun gehabt. Dass es in Langenbach neben dem großen Bereich Grünstrom jedoch ebenfalls um umweltfreundlichen Brennstoff für Heizungen gehen sollte, bedeutete zunächst eine Umstellung: „Das war im Bereich Holzpellets schon ein kompletter Neueinstieg für mich“, blickt Weiß zurück. Er und Markus Mann seien sich allerdings nach einem Vorstellungsgespräch schnell einig gewesen, miteinander arbeiten zu wollen. „Von der Einstellung und der Sympathie waren wir uns sofort recht nahe“, erinnert sich der seinerzeit neu zu „MANN Naturenergie“ Stoßende.

Der Koblenzer hat beim Filmdreh anno 2025 wieder mitgewirkt.

So bereute der Koblenzer seinen Neuanfang zu keiner Zeit, wie er betont, blieb 15 Jahre lang beim Westerwälder Unternehmen. Von Anfang an habe die Arbeit dort Spaß gemacht, beschreibt Weiß, so dass ihn auch der Arbeitsweg bis hinauf nach Langenbach im Oberwesterwald nicht störte. „Die Ziele von Markus Mann und mir waren deckungsgleich, weil wir beide hinter den Erneuerbaren stehen“, begründet er. Reinhard Weiß kümmerte sich bei MANN und den „Westerwälder Holzpellets“ um zahlreiche neue Projekte, war insbesondere sehr aktiv beim Aufbau des Ökostromvertriebs für Privat-und Gewerbekunden.

Genau um diesen Ökostrom als Alternative zur damals in Deutschland noch weit verbreiteten Kernenergie und Kohleverstromung sollte es in dem Filmprojekt gehen, für das Markus Mann eines Tages seinen Mitarbeiter begeistern wollte. Der jedoch kannte die „MEN-IN-BLACK“-Filme gar nicht! „Für mich war ‚MEN IN BLACK‘ nur ein Filmtitel, den ich irgendwo gelesen hatte“, schildert Reinhard Weiß. Denn um sich zur Unterhaltung mit so einer Utopie im Kino zu beschäftigen, sei er doch zu sehr Realist, meint der Koblenzer.

Allerdings informierte er sich, worum es in den Blockbustern mit Tommy Lee Jones und Will Smith ging: Reinhard Weiß besorgte sich kurzerhand die Filme auf DVD, „um das überhaupt erst einmal gesehen zu haben“, lacht er heute.

Nach einer Weile willigte er ein, im MANN-Film mitzuspielen, wiewohl er sagt, dass es „allerdings ein merkwürdiger Gedanke“ für ihn gewesen sei, plötzlich als Darsteller zu agieren: „Ich bin lieber immer hinter den Kulissen, als Organisator.“

Dennoch stieg er bei den Dreharbeiten mit Markus Mann absolut filmtauglich in einen Elektro-Pkw, lief im schwarzen Anzug mit schwarzer Sonnenbrille synchron mit seinem Chef durch die entsprechenden Szenen und fuhr mit ihm im – damals noch dieselbetriebenen – Pellet-Lkw ins Bild (siehe Video „MANN ist bereit“).

„Es kam keiner, der ein Autogramm wollte hinterher“, scherzt Reinhard Weiß, „das ist auch gut so! Aber es hat am Ende viel Spaß gemacht, den Film zu drehen, wir haben viel gelacht. Das war für uns wichtig. Und der Sinn des Films, bei dem die Protagonisten im Original gegen Außerirdische kämpfen, war für uns eben der gemeinsame Kampf für die Erneuerbaren.“

Als Markus Mann seinen ehemaligen Mitarbeiter vor wenigen Wochen kontaktierte und den Rentner fragte, ob er zum 15. Jubiläum des Films für einen augenzwinkernden Neudreh mit entsprechend 15 Jahre älteren Akteuren wohl noch einmal in den schwarzen Anzug schlüpfen und vor der Kamera die Sonnenbrille aufsetzen würde, sagte Reinhard Weiß wiederum sofort zu. „Denn mir hat die ganze Sache Spaß gemacht – so, wie mir die gesamte Tätigkeit in Langenbach stets große Freude gemacht hat“, begründet der inzwischen 76-jährige Laiendarsteller seinen erneuten Einsatz.

In 15 Jahren wäre er erneut dabei, sollte „MANN Naturenergie“ abermals eine Neuverfilmung planen, lacht Reinhard Weiß (rechts). Fotos: Schmalenbach

Aber damals wie heute bleibt die Frage: Wer ist Markus Mann in den Filmszenen „made in Langenbach“, wen stellt Reinhard Weiß dar? „Der Markus hat damals immer gesagt: ‚Du bist eher der Kay‘“, verrät Reinhard Weiß. Und ja, gesteht er zu, er sei im wahren Leben eher ein ernsthafter Mensch und recht strukturiert – anders als Will Smith alias Jay, der in den „MEN-IN-BLACK“-Filmen für die witzigen Sprüche und viel Chaos zuständig ist.

Uwe Schmalenbach

Solche Entwicklungen machen Hoffnung

2010 hat „MANN Naturenergie“ einen Film drehen lassen, der auf die Missstände der Energieversorgung aufmerksam machen sollte. Jetzt sind – als augenzwinkernde Erinnerung daran – einige der damaligen Szenen aktualisiert worden. Im Interview mit Uwe Schmalenbach spricht der geschäftsführende Gesellschafter des Westerwälder Energieversorgers, Markus Mann, darüber, warum die Filmproduktion 15 Jahre später noch immer ihre Daseinsberechtigung hat.

Markus Mann (links) in einer Szene der 2025er Film-Neufassung. Der Unternehmer hofft, dass bis zu einer möglichen dritten Auflage von „MIB“ nach weiteren 15 Jahren bidirektionales Laden üblich sein wird.



Vor 15 Jahren haben Sie einen Film drehen lassen, der den Namen „MIB“ bekam, und darin selbst einen der zwei Darsteller gespielt. „MIB“ stand jedoch nicht für „MEN IN BLACK wie in der bekannten Spielfilmreihe, an die das Video von „MANN Naturenergie“ gestalterisch angelehnt wurde, sondern für „MANN ist bereit“. Was hatte Sie bewogen, so einen Film produzieren zu lassen?

Wir kamen uns im Unternehmen teilweise so vor, wie diejenigen, die etwas gegen das Wirken „Außerirdischer“ tun müssen – so wie die „MIB“ in den original Science-Fiction-Kinofilmen. Diese „Außerirdischen“ waren für uns jedoch Leute wie Putin, Schröder und andere. Hinzu kam das Drama um das Atommülllager Asse (Anm. d. Red.: In dem ehemaligen Salzbergwerk wurden, zum Teil illegal, Tausende Fässer radioaktiver Abfall eingelagert, die in den nächsten Jahren herausgeholt werden müssen, da das Lager undicht ist). Dass es da ein komplett ungeeignetes Atommülllager gibt, hat uns so bewegt, dass wir gesagt haben, wir wollen gegen solche Umweltrisiken kämpfen. Unser Gedanke war: Wer Grünstrom bei uns kauft, hat etwas dagegen getan, dass weiter Atomstrom erzeugt wird und erneut gefährliche Abfälle anfallen.



Und wie wurde diese Idee zur MANN-Version von „MIB“?

Investitionen, um bei der eigenen Energienutzung besser zu werden: Die PV-Module an den Pelletsilos gab es 2010 noch nicht.

Es war eben die Zeit, in der die „MEN-IN-BLACK“-Filme in den Kinos liefen (Anm. d. Red.: Die drei Erfolgsstreifen mit Tommy Lee Jones und Will Smith in den Hauptrollen erschienen 1997, 2002 und 2012). Die waren einfach cool! Und wir haben uns gedacht, das bekommen wir irgendwie auch hin, vielleicht können wir ein Stück weit eine Parodie darauf machen.




Wie ist die Lage heute, 15 Jahre nach Ihrem ersten Filmdreh?

Bei der Asse hat sich noch immer nichts getan, man spricht davon, die Fässer – frühestens – ab 2033 bergen zu wollen. Der Putin ist auch immer noch da, Schröder hat weiter seine Kontakte nach Russland. Man scheint das Gefühl haben zu müssen, es wäre nicht wirklich viel besser geworden.




Und trifft dieses Gefühl Ihrer Meinung nach zu?

Nein, es ist in den 15 Jahren einiges besser geworden in Bezug auf die Umwelt und eine ökologische Energieversorgung.




Es musste Ihnen ja seinerzeit auch klar sein, dass man als Westerwälder Unternehmen mit einem eigenen Film nicht die ganze Welt verändern oder verbessern kann. Aber Sie haben die Zeit seither genutzt, um im Unternehmen besser zu werden, was die Energienutzung angeht, oder?

Ja. Also wir haben garantiert jeden einzelnen Euro, den wir verdient haben, wieder ausgegeben – und zwar für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Zudem haben wir das Unternehmen kräftig weiter verändert und gestärkt. Ich glaube, wir waren damals, als der Film entstand, 25 bis 30 Mitarbeiter. Heute sind wir 100. Wir wollen ja im Grunde immer aufzeigen, welche neuen Ansätze funktionieren können. Bei der E-Mobilität zum Beispiel, und immer verbunden mit der Aussage: „Macht es uns bitte nach!“ Denn allein schafft man natürlich keine großen, globalen Veränderungen. Aber als Westerwälder lebt man im Sinne von Raiffeisen: „Was einer allein nicht vermag, das schaffen viele.“ Und somit müssen wir die Menschen irgendwie motivieren, ihrerseits ebenfalls etwas zu tun.




Stichwort Veränderung: Im damaligen Video fahren Sie mit einem Diesel-Lkw Pellets aus, im aktuellen Nachdreh (siehe Video „MANN ist bereit 2025“) fahren sie vollelektrisch.

Klar! Inzwischen haben wir, was Windkraft, Solarenergie und Biomasse angeht, bei uns am Standort bilanziell eine 100-prozentige Autarkie, also Unabhängigkeit von anderen Energieerzeugern. Physikalisch sind wir so bei rund 80 Prozent. Und da wollen wir ebenso motivieren, dass jeder einzelne schaut, wie er sich seinen Strom selbst machen kann.

Im Westerwälder Unternehmen hat sich in den 15 Jahren viel verändert. Rollt im 2010er-Film noch ein Diesel-Lkw durchs Bild, benutzen Markus Mann (vorne) und Reinhard Weiß im Neudreh einen E-Lkw, wie sie bei den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) längst üblich sind bei Pelletlieferungen.





Demnach sind die jetzt nachgedrehten Filmszenen auch als Beispiel gedacht, das zeigt, was funktionieren kann?

Sie sind ein Stück weit ein Zeichen, dass wir immer noch da sind und weiterhin für die gleiche gute Sache kämpfen. Und jeder unserer Kunden, der mit uns „kämpft“ – indem er Energie über uns bezieht oder uns weiterempfiehlt – arbeitet mit daran.





Guckt man in Statistiken des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010, war Braunkohle damals Haupt-Energieträger der Stromerzeugung in Deutschland. Inzwischen liegt die Windenergie nach den 15 Jahren, die seither vergangen sind, auf dem ersten Platz. Zeigt das nicht, dass die Entwicklung, die in Ihrem Unternehmen stattgefunden hat, genauso gesamtgesellschaftlich läuft?

Ja. 2010 war noch Kernenergie nach der Braunkohle auf Platz zwei, Steinkohle auf Platz drei und Erdgas auf Platz vier! Heute ist Windenergie, wie Sie sagen, Platz 1. Und die Photovoltaik dürfte 2025 die Braunkohle überholt haben und ebenso das Erdgas. Solche Entwicklungen machen einfach Hoffnung! Aber Stromerzeugung ist das eine – zur Energiewende gehören gleichermaßen eine Verkehrswende und der Umbau im Gebäudeenergiesektor. Beim Verkehr haben sich leider Lobbyisten durchgesetzt, und nicht die Wissenschaft.





Wie meinen Sie das?

Es ist doch beispielsweise verplemperte Zeit, über ein „Verbrenneraus“ zu diskutieren! Ein Verbrenneraus ist Quatsch. Postkutschen und Dampfloks wurden nie verboten, aber sie sind trotzdem verschwunden, weil sie einfach durch bessere Technologien abgelöst wurden. Die einst so geschätzte Handymarke „Nokia“ ist nie verboten worden, sondern durch modernere Smartphones überflüssig geworden.





Doch die erneuerbaren Energien stehen im Ruf, die Herstellungskosten zu verteuern und international zum Wettbewerbsnachteil für Deutschland zu führen. Sie arbeiten im IHK-Industrieausschuss mit: Ist es wirtschaftlich überhaupt dauerhaft möglich, als „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) auf ökologische Produktionsverfahren zu setzen und sich dennoch gegen internationale Wettbewerber durchzusetzen, die ebenfalls Holz in Deutschland verkaufen?

Wir haben inzwischen sogar einen Wettbewerbsvorteil durch Erneuerbare!





Wie das?

Weil wir schon so weit sind, die Investitionen längst getätigt haben, die anderen noch bevorstehen. Mit unserem Großspeicher zum Beispiel: Die Batterie wird erweitert. Wir werden ab Januar zusätzlich fünf Megawattstunden Kapazität hinzubekommen (Anm. d. Red.: bislang gibt es bereits 1,4 Megawattstunden), um noch besser zu werden. Diesen Schritt muss man eben gehen, denn wenn man nicht losgeht, kommt man nicht an. Wir sind halt früher gestartet, aber ich möchte auch andere animieren, mitzumachen. Denn Sonne und Wind sind heimische und krisenfeste Energiequellen.





Seit der ersten Filmfassung sind wie geschildert 15 Jahre vergangen. Was sehen wir in einer dritten Filmversion, wenn Sie das Video in 15 Jahren abermals aktualisieren würden?

Dann habe ich garantiert keine Haare mehr! Es ist ja schon ein bisschen dünner geworden… (lacht) Ich hoffe, dass ich in 15 Jahren noch agil sehen kann, wie sich das Unternehmen weiter entwickelt hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass niemand den Menschen vorschreiben kann, wann und wie viel Urlaub sie machen sollen, wofür sie ihr Geld ausgeben, wohin sie fliegen. Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass wir grundsätzlich grüne, heimische Energie bevorzugen. Einfach kostenorientiert – erneuerbarer Strom ist heute viel günstiger als fossiler Strom, auch volkswirtschaftlich betrachtet. Da ist der Gesetzgeber gefragt: „Steuern“ kommt ja von lenken, und wenn man über ein Steuersystem etwas lenkt, kann man entsprechend ansetzen.





Wie konkret?

Nicht Flugtickets weniger besteuern, sondern Bahntickets über einen reduzierten Mehrwertsteuersatz verbilligen. Man muss auch Maßnahmen wie das bidirektionale Laden staatlich freischalten. So dass jeder, der möchte, seinen Elektro-Pkw als heimischen Speicher nutzen kann und den Strom, den er tagsüber irgendwo auf einem Parkplatz „eingesammelt“ hat, mit nach Hause nehmen und da verwenden kann.





Sind Sie auf die Aussagen, die Sie mit den MANN-Filmen treffen wollen, eigentlich angesprochen worden, von anderen Unternehmern etwa?

Markus Mann ist davon überzeugt, dass die Klimaneutralität bis 2045 gelingen wird. Fotos: Schmalenbach

Das Schöne ist, dass wir nicht mehr als „grüne Spinner“ betrachtet werden, da sind wir raus. Diese erste Phase haben wir hinter uns gelassen. Wir haben inzwischen viele Kunden sowie Geschäftspartner, die in die gleiche Richtung aufgebrochen sind. Ich habe gerade erst die Einweihung eines neuen Pelletwerkes in Baden-Württemberg besucht. Dort werden E-Lkw während der Pelletverladung mit 400-KW-Hochleistungs- ladesäulen direkt neben der Waage für die Fahrzeuge mit Strom versorgt. Und der kommt aus einem Biomassekraftwerk des besagten Standortes in Baden-Württemberg. Das ist doch faszinierend, dass so etwas bei Neuvorhaben fast schon Standard ist!





Was haben Sie persönlich in den nächsten 15 Jahren vor?

Ideen habe ich für 100 Jahre, ich muss aber aufpassen, dass ich alles nacheinander erledigt bekomme. Da laufen mir die Jahre davon, aber es scheint ja im Familienunternehmen bei uns mit der nächsten Generation weiterzugehen, so dass ich hoffe, dass MANN nach den ersten 100 Jahren weitere 100 Jahre aktiv sein wird. Was aber in 15 Jahren beispielsweise schon erreicht sein wird, das ist, dass wir beim Stromhandel unsere Kunden, die eine Solaranlage auf dem Dach und ein E-Auto haben, in unseren Strombilanzkreis integrieren und ihren Akku im Auto ansteuern können, um darin gespeicherten Strom zu übernehmen, wenn er gebraucht wird. Da steckt viel Spannendes dahinter, um unser Stromnetz 100 Prozent klimaneutral machen zu können. In 15 Jahren haben wir 2040; 2045 soll die Klimaneutralität in Deutschland erreicht sein, und ich bin guter Dinge, dass wir das hinbekommen.

Engagement für eine nachhaltige Zukunft

In Anzère werden jährlich 200.000 „kommerzielle Übernachtungen“ registriert. Zu den vielen Touristen in dem Schweizer Ferienort kommen Menschen, die dort eine Zweitwohnung besitzen und ebenfalls eine Zeitlang in dem Dorf in den Walliser Alpen verbringen. „Wir verzeichnen jedes Jahr etwa 500.000 Übernachtungen durch unsere Zweitwohnungsbesitzer“, erläutert Stéphanie Dijkman. Gemein ist beiden Gruppen, dass sie in der eher kalten Jahreszeit zu Gast sind: „Der Besucherhöhepunkt liegt eindeutig im Winter“, bestätigt die Direktorin des örtlichen Tourismusbüros. Dass es in der von den Reisenden bevorzugten Jahreszeit in deren Unterkünften trotz der Minusgrade draußen angenehm warm ist, liegt auch an der CBA. Die „Chauffage Bois Énergie Anzère“ versorgt etwa 80 Prozent der Gebäude im Dorf mit umweltfreundlicher Fernwärme. Die Firma hat jetzt ihr 15. Jubiläum gefeiert.

Das „Anzère Wellness & Spa“ ist eines von 100 an die Fernwärme angeschlossenen Objekten in dem 900-Einwohner-Dorf. Fotos (3): MANN Naturenergie

Einstmals mussten große Mengen Heizöl die Walliser Alpen hinauf geschafft und ins auf 1.500 bis 2.500 Meter gelegene Anzère gebracht werden, um es in allen Ferienwohnungen, Hotels und Restaurants warm zu bekommen. Bis zu 1.500.000 Liter Heizöl würden beim heutigen Ausbaustand des Ortes dazu benötigt, deren Verbrennung einen CO2-Ausstoß von bis zu 3.600 Tonnen im Jahr verursachen würde!

Stattdessen jedoch arbeitet die Heizzentrale der CBA in ihrem 15. Betriebsjahr ausschließlich mit Holzpellets in den insgesamt drei Kesseln, die maximal zugleich betrieben werden (siehe „3.000 Tonnen für 100 Kunden“). Der Brennstoff dafür kommt von den heimischen Anbietern „Matterhorn Pellets AG“ (Zermatt) sowie der „BestPellet Wärme AG“ (Düdingen), die beide versichern, zu 100 Prozent mit lokalen Rohstoffen zu produzieren. Da die CBA im laufenden Jahr weitere Kunden hinzubekommen hat, spart sie 2025 voraussichtlich sogar über 4.000 Tonnen CO2 gegenüber der Nutzung fossiler Energieträger ein.

Stéphanie Dijkman vom Tourismusbüro Anzère findet, dass die CBA wichtig ist für die nachhaltige Zukunft des Ferienortes, in dem sie arbeitet. Foto: Genevay

Ein großer Teil der Gäste in Anzère sind laut Stephanie Dijkman Stammgäste, vor allem Familien und Paare, die Jahr für Jahr zurückkehren und oft selbst eine der Zweitwohnungen in der Schweiz besitzen. Gleichwohl zieht vor allem der „Magic Pass“ zusehends neue Besucher an. Dieses Jahresabonnement ermöglicht den kostenlosen Zugang zu den Anlagen von Anzère und vielen anderen Partnerstationen in der Schweiz und bietet freien Eintritt zu über 2.000 Kilometern Skipisten, Wanderwegen, in zwanzig Snowparks und zu anderen Attraktionen. Darunter sind ebenso Thermalbäder.

Auch in Anzère selbst gibt es ein solches Thermalbad, das „Anzère Spa & Wellness“. Auf insgesamt 1.500 Quadratmetern stehen ein Innen- und Außenbecken, diverse Saunen sowie ein 36 Grad warmer Whirlpool und ein 40 Grad warmer Hammam für die Erholungssuchenden zur Verfügung. Dass sie dort wohlige Temperaturen erleben, liegt ebenfalls an der Fernwärme, die die CBA in der Pelletheizzentrale erzeugt und über fast fünf Kilometer Rohrleitungen im Ort verteilt. Das Spa ist daran angebunden.

Ebenso finden sich die örtlichen Hotels „Eden“, „Les Masques“ und „Zodiaque“ unter den Kunden der Gesellschaft; in Summe deckt sie als Wärmeversorger rund 80 Prozent der Betten des Ortes ab, der als eines von insgesamt elf Dörfern der Gemeinde Ayent mit lediglich 900 Einwohnern (beziehungsweise 4.446 in der gesamten Gemeinde, Stand Februar 2024) eher klein ist.

Blick auf die Heizzentrale, die oberhalb des Ortes liegt.

Jedoch stehen der beschaulichen Zahl Einheimischer große Dimensionen für den boomenden Tourismusbetrieb gegenüber: 13 Skilifte befördern im Winter die Skifahrer auf die 58 Kilometer Piste des Ortes. Ausruhen können sie in 8.500 Gästebetten, acht Gruppenunterkünften und fünf Hotels. Für den Après-Ski sind 29 Restaurants und sieben Weinkeller sowie 13 Bars beziehungsweise Imbissbetriebe vorhanden.

Doch wie passen umweltfreundliche Energieversorgung einerseits und Massentourismus andererseits zusammen? „Was das Verhältnis zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit betrifft, sind wir der Meinung, dass es sich nicht um einen Widerspruch handelt, sondern um ein Gleichgewicht, das es zu finden gilt. Die Herausforderung besteht darin, ein qualitativ hochwertiges touristisches Angebot zu schaffen und gleichzeitig die lokalen Ressourcen und die Identität des Gebiets zu respektieren“, antwortet Stéphanie Dijkman.

Die Gemeinde Ayent, zu der Anzère gehört, erstreckt sich von der Rhône-Ebene bis zum 3.248 Meter hohen Wildhorn in den Berner Alpen. Foto: adobe

Anzère setze ihr zufolge auf einen „sanften, menschlich geprägten Tourismus“, der auf kurze Wege, sanfte Mobilität und die Nutzung lokaler Energiequellen ausgerichtet sei. „Es handelt sich um einen verantwortungsvollen Ansatz, der darauf abzielt, die natürliche Umgebung zu bewahren und gleichzeitig die lokale Wirtschaft zu stärken“, fährt sie fort. „Wir wissen, dass der Schutz der Umwelt entscheidend ist, um die Attraktivität der Destination langfristig zu sichern. Die Pellets-Heizzentrale der CBA ist ein starkes Symbol dieser Philosophie“, betont die Tourismus-Direktorin, „sie ist ein konkretes Beispiel für eine erfolgreiche Energiewende im Berggebiet und verdeutlicht unser gemeinsames Engagement für eine nachhaltige Zukunft von Anzère.“

Uwe Schmalenbach

3.000 Tonnen für 100 Kunden

Die touristischen Hauptmärkte für Anzère sind die Westschweiz, die Deutschschweiz und Belgien, wobei der Anteil der Besucher aus der Deutschschweiz stetig zunimmt. Ebenso kommen Gäste aus den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Italien in das Dorf im Wallis. Zu den beliebtesten Aktivitäten dort zählen Wandern, Mountainbikefahren und Wellness im Sommer. Im Winter stehen selbstverständlich Skifahren und Schneeschuhwandern im Vordergrund, mit steigenden Zahlen jedoch auch kulturelle Veranstaltungen. Vor allem die Gebäude, in denen es Übernachtungskapazitäten für 8.500 Menschen gibt, sind dementsprechend in der kalten Jahreszeit wichtig. 80 Prozent davon werden von der „Chauffage Bois Énergie Anzère“ (CBA) versorgt.

11.500 Megawattstunden Wärmeenergie werden für den Ort im Wallis benötigt. Fotos: „MANN Naturenergie“

Damit die Einheimischen wie Touristen es bei Minusgraden draußen drinnen behaglich haben, verfeuert die CBA jährlich 3.000 Tonnen Holzpellets aus Schweizer Produktionen. Die damit erzeugte Wärmeenergie – in Summe 11.500 Megawattstunden (MWh) im Jahr – geht an über 100 Kunden im Ort.

„Auch wenn wir unsere Bemühungen auf die Verbesserung des Sommerangebots konzentrieren, bleibt die Sommerfrequenz leider noch hinter den Erwartungen zurück“, sagt Stéphanie Dijkman, die das Tourismus-Büro von Anzère leitet. Die Wintersaison ist aus touristischer Sicht also besonders wichtig im Alpendorf.

An der Heizzentrale sind im Jubiläumsjahr sechs Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge installiert worden, darunter dieser 150-KW-Schnelllader.

Bis zum Sommer 2022 versorgten die beiden zu Beginn des Projekts installierten Pelletheizkessel das Wärmenetz von Anzère alleine. Mit ihrer Leistung von je 3,15 Megawatt (MW) vermochten sie, zuvor derzentral installierte Ölkessel mit insgesamt 18 MW Leistung zu ersetzen. Eben in jenem Sommer 2022 wurde ein 880 Kilowatt leistender Spitzenlastkessel zusätzlich von „MANN Naturenergie“ in Anzère installiert (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete), der in der warmen Jahreszeit ausreicht, um alleine für angenehm temperiertes Wasser in den angeschlossenen Pensionen, Hotels und Ferienhäusern zu sorgen. Im Winter kann er die zwei Kessel aus 2011 unterstützen, falls es doch einmal richtig klirrend kalt wird.

Interessant ist, dass der durchschnittliche Preis für die mit der Anlage erzeugte Wärme, je nach Gebäudetyp und Gesamtverbrauch, zwischen 14 und 17 Rappen pro Kilowattstunde und damit vergleichsweise günstig ausfällt (Anm. der Red.: 100 Rappen sind ein Schweizer Franken, dieser entspricht einem Gegenwert von circa 1,08 Euro).

Zudem wird so vermieden, Schweizer Kapital für Energieimporte aus dem Ausland zu verwenden. Die Eidgenossen geben 4,4 Milliarden ihrer wertvollen Franken allein für Gasimporte aus, während das Geld der in Anzère an die im Mittel nur 80 Zentimeter tief verlaufende Fernwärmeleitung Angeschlossenen in der Heimat bleibt und zur dortigen Wertschöpfung beiträgt.

Geld ist in der sehr auf den Finanzsektor ausgerichteten Schweiz immer ein Thema. Und natürlich waren für den Aufbau der CBA nicht unbeträchtliche Anfangsinvestitionen nötig: Zehn Millionen Franken, die unter anderem durch Bankkredite und Aktionärsdarlehen sowie Subventionen der „Fondation du centime climatique“ (von dort kamen 130 Franken pro eingesparter Tonne CO2, in Summe 830.000 Franken) zusammengetragen wurden. Die Wärmeabnehmer der CBA erhielten ihrerseits kommunale und kantonale Subventionen.

Markus Mann, Präsident der „Chauffage Bois Energie Anzère“ (links), und Pierre Oberson, Aufsichtsrat der CBA und Generalsekretär der „Groupe E“, einem großen Energieversorger in der Westschweiz, am mit zwei Ladepunkten ausgestatten Schnelllader. Dieser bietet 150 kW Leistung.

53 Prozent der Gesellschaft „Chauffage Bois Énergie Anzère SA“, deren Präsident Markus Mann ist, befinden sich im Eigentum des MANN-Tochterunternehmens „MANN Energie Suisse Sarl“. Als lokaler Partnern hält Albert Bétrisey weitere 20 Prozent daran. Er ist ein wichtiger Wegbereiter des Projektes in den Alpen.

Für den Betrieb der Anlage ist kein eigenes Personal erforderlich. Der Brennstoff wird in zwei jeweils 200 Tonnen Pellets fassenden Silos direkt über den Brennern bevorratet und fällt einfach nach unten, wird dort durch einen Schneckenzug bis in die Brennkammern der drei Kessel gefördert.

Das warme Wasser, das in den Rohren des Wärmenetzes als Transportmittel für die mittels Holzpellets erzeugte Wärme zu den Abnehmern genutzt wird, verlässt die Zentralanlage 85 bis 90 Grad warm. Beim Zurückfließen sind es noch 45 bis 60 Grad.

An der Heizzentrale wird indessen nicht nur Wärmeenergie erzeugt, sondern seit diesem Jahr auch bis zu 90.000 kWh Ökostrom. Hierfür wurden Solarpanele mit einer Gesamtleistung von 88 kW an den Außenwänden der Pelletsilos installiert. Der so erzeugte Strom wird zu fast 90 Prozent für den Eigenbedarf der CBA genutzt werden. Denn natürlich benötigt eine Pelletheizung unter anderem für die Förder- und Pumpentechnik ebenfalls Strom. Doch zu Füßen der hoch aufragenden Heizzentrale gibt es noch andere Verbraucher des Ökostroms: Auf dem dortigen öffentlichen Parkplatz stehen insgesamt sechs Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, darunter zwei Gleichstrom-Schnelllader mit einer Gesamtleistung von 150 kW.

Familienunternehmen machen Wirtschaft aus

Achim Schwickert ist seit 2009 Landrat des Westerwaldkreises. In diesem liegt Langenbach bei Kirburg, der Firmensitz der MANN-Gruppe. Der CDU-Politiker schildert im Interview mit Uwe Schmalenbach, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Region und ihrer Familienunternehmen zuweilen unterschätzt werde.


Landrat Achim Schwickert (rechts) betont die Bedeutung der Familienunternehmen wie jener von Thomas (links) und Markus Mann für den Westerwald. Fotos: Schmalenbach

Warum sind Sie heute hierher gekommen?

Wenn ein Familienunternehmen 100 Jahre alt wird und ein Landrat eine Einladung bekommt, fährt er sehr gerne dorthin. Denn Familienunternehmen sind das, was uns im Kern in der Wirtschaft im Westerwald ausmacht. Sie brauchen bestimmte Rahmenbedingungen, insbesondere eine funktionierende Familie. Und die Idee, wie ein solches Unternehmen in die nächste Generation kommt. Das ist herausfordernd, wird aber von vielen Betrieben bei uns noch gemeistert.




Was ist Ihrer Meinung nach die Stärke dieses „familiären Wirtschaftssystems“?

Es hat den Vorteil, dass es gewisse Vertrauensverhältnisse gibt. Unter den Unternehmern untereinander, so dass sie sich wechselseitig helfen, und natürlich bei der Innovationskraft.




Wie meinen Sie das?

Der eine schaut beim anderen zu, man hat vielleicht auch gemeinsame Kunden, bespricht das eine oder andere, und dann wird aus vielen kleinen Unternehmen eine Innovationskraft, wie sie sonst eher große Unternehmen aufweisen.




Nun ist der Norden von Rheinland-Pfalz nicht der am dichtesten besiedelte Raum in Deutschland. Dennoch „dreht“ sich hier vieles. Der Eindruck, den manche von außen haben, ist demnach falsch, dass die Region „abgehängt“ wäre?

Wir sind, wenn man auf die nackten Zahlen im Vergleich zu anderen blickt, durchaus eine wirtschaftsstarke Region! Viele vermuten das nicht, denn wenn man in die Historie guckt, sind wir ja eher ein „Arme-Leute-Land“ gewesen. Aber gerade das ist die Grundlage dafür, dass die Menschen hier gesehen haben, dass sie eine Menge arbeiten müssen, erfindungsreich sein müssen. Wir haben hier nicht die „großen Geschenke“, also fette Böden, in denen dicke Kartoffeln wachsen, die sind ein bisschen kleiner hier (schmunzelt). Man hat es aber geschafft, sich zwischen den Ballungszentren zu behaupten und langsam, still und heimlich zu wachsen.




Wie wichtig sind Familienunternehmen eigentlich für das Gemeinwohl?

Eine wirtschaftliche Grundlage bieten sie, auch eine verlässliche. Es gibt aber noch ein zweites Momentum: Sie wirken ganz anders in die Bevölkerung hinein als vielleicht der eine oder andere Großkonzern, wo die CEOs häufig mit der Region nichts zu tun haben: Wenn sie gute Zahlen liefern, bleiben sie, wenn sie schlechte liefern, sind sie weg. Das ist bei Familienunternehmen nicht so. Denn deren Familien wohnen ja auch hier. Sie haben ein Interesse daran, dass wir funktionierende Schulen und genug Kindertagesstätten haben; sie wirken in die Dörfer hinein, weil viele Einheimische Arbeit bei ihnen finden. Natürlich pendeln auch viele von uns aus, allerdings haben wir ebenso einen kräftigen Stamm, der in den heimischen Familienunternehmen beschäftigt ist. Das gibt noch einmal eine besondere Verbindung – und in schwierigen Zeiten nicht immer sofort eine Entlassung! Weil man weiß, dass man die Leute wieder braucht, wenn es wieder läuft. Und dann sind sie auch da. Insofern funktioniert das gesellschaftliche Gefüge mit den Unternehmen, nicht gegen sie. Das zeichnet uns, so glaube ich, ein bisschen aus.





Man sieht an etlichen Neubaugebieten im Westerwald, dass das für eine Reihe Menschen ein attraktiver Zusammenhang zu sein scheint, die gerne hier leben oder denen die Immobilie im Taunus zu teuer war, oder?

Auch unsere Unternehmen sind auf der Suche nach Fachkräften. Wir müssen die Firmen unterstützen, wenn es um Menschen geht, die Ausbildungsstandards aus anderen Regionen haben. Wir müssen für ordentliche Rahmenbedingungen sorgen, dass die Unternehmen mit diesen Menschen reden können, ob sie herkommen wollen. Da spielt nicht nur der Arbeitsplatz eine Rolle, sondern auch bezahlbarer Wohnraum oder sogar ein verfügbarer Bauplatz. Das haben wir in den letzten Jahren gemerkt: Die Bevölkerung insgesamt ist in der Region entgegen allen Prognosen gewachsen. Wir kommen langsam ein bisschen an die Grenzen der Ausweisung von Baugebieten, weshalb es wichtig ist, dass wir in den Dorfkernen ältere Häuser ertüchtigen. Da braucht man die nötige Flexibilität bei den Baugenehmigungen und natürlich heimische Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die zur Finanzierung bereitstehen, zudem das eine oder andere Förderprogramm. Und man muss die Leute an die Hand und in die Dorfgemeinschaft aufnehmen!




Hat die Politik dabei Gestaltungsmöglichkeiten, in dem zum Beispiel Genehmigungen leichter und schneller zu haben sind?

Das ist ja gerade unsere Aufgabe. Wir wollen den Entwicklungen nicht entgegenstehen, sondern mit ihnen gehen, sie begleiten. Das Wort Rahmenbedingungen hat sich ein bisschen abgenutzt – also, man braucht eine vernünftige Grundlage! Dazu gehört auch ein gewisses Vertrauen, beidseitig. Und das ist natürlich in einem Familienunternehmen eher herzustellen, weil man einfach zu seinem Wort steht und sich immer zwei-, dreimal trifft.

„Tage der offenen Tür“: Es zischt und macht

„Die Betriebsführung! Und dabei vor allem die neue Säge“: Diese Antwort geben die meisten Besucher auf die Frage, was ihnen bei den „Tagen der offenen Tür“ am besten gefalle. Mit diesem zweitägigen Event feiert die Firmengruppe MANN zugleich ihren 100. Geburtstag.

Die neue Blockbandsäge begeistert alle Besuchergruppen.

Paula interessiert sich nicht allzu sehr für die technischen Details zu den ausgestellten Matrizen der Pressen im Pelletwerk. Aber dass sie die kleinen Holzpresslinge, die darin liegen, ganz wunderbar durch ihre Finger rieseln lassen kann, findet die Dreijährige super!

Paula spielt mit den „Westerwälder Holzpellets, die in der ausgestellte Matrize der Pelletpresse liegen.

Das Mädchen ist mit seiner Familie bei den „Tagen der offenen Tür“ in Langenbach. „Wir haben eine Pelletheizung und sind seit deren Einbau vor zwei Jahren Kunde hier. Grundsätzlich sind wir damit sehr zufrieden, es funktioniert richtig gut“, beschreibt Paulas Papa. „Man muss eben hin und wieder den Aschekasten leermachen – wenn man das vergisst, hat man halt mal eine Störung.“ Aber das, fügt der Hausbesitzer an, sei bei einer Gasheizung, die mäßig gewartet sei, schließlich nicht anders.

Paulas Familie wohnt „kurz hinter Montabaur“. Der Vater erzählt noch, dass er und seine Lieben schon zum zweiten Mal bei einem „Tag der offenen Tür“ bei MANN und den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) seien. „Die Kinder freuen sich immer über die Dampfmaschinen, die es hier zu sehen gibt“, zwinkert er, „es zischt und macht! Das ist schön.“ Die neue Blockbandsäge im Sägewerk der WWHW habe er selbst noch nicht gesehen, darum gefalle ihm die Möglichkeit, die neue Anlage in diesem Jahr ebenfalls kennenzulernen.

Neben dem Einblick in Sägelinien, das Pelletwerk, die Strom-Großspeichertechnik auf dem Firmengelände oder in die Rundholzsortierung ist es gewiss der, mit dem Aufreißen des Himmels mehr und mehr herrschende, Volksfestcharakter der Veranstaltung, der so viele Menschen ins eher kleine Langenbach (rund 1.100 Einwohner) zieht. Der gusseiserne Brunnen vor der Alten Schule des Ortes ist zum „Bierbrunnen“ geworden, aus seinem Hahn rinnt darum kein Wasser, sondern „Hachenburger Pils“. „Das ist schon das vierte 50-Liter-Fass heute“, berichtet der mit seinem Kollegen Jörg Thielmann eifrig zapfende Maik Christ. Sonst kennen ihn die Menschen der Region als den Fahrer, der ihnen Westerwälder Holzpellets bringt.

Aus dem Taunus: Wolfgang Schwabe betrachtet den Rundholzplatz vom Dach des Sägewerkes aus.

Für Kinder gibt es ebenso viele Aktivitäten – vom ungefährlichen Armbrustschießen mit Korken über Fahrten im Dampfkarussell bis zum Bewegungsparcours. Musiker wie zum Beispiel jene der „Daadetaler Knappenkapelle“ oder von „Rot-Weiß Nauroth“ sorgen für Stimmung.

Doch die eigentlichen Themen – die Energiewende, die Nutzung der Erneuerbaren, deren Einsatz im industriellen Rahmen – sind an beiden „Tagen der offenen Tür“ so allgegenwärtig wie das mächtige Schnaufen der Dampfwalze „Julia“, die Besucher umherfährt.

Die Nutzung von Grünstrom, wie ihn MANN auch an den Pelletsilos erzeugt, halten Karl-Heinz und Jutta Vetter (vorne) für ökologisch geboten. Fotos: Schmalenbach

„Weil mich das Thema Erneuerbare generell interessiert“, entgegnet entsprechend Karl-Heinz Vetter, danach gefragt, weshalb er mit seiner Frau Jutta nach Langenbach gekommen sei. „Wir haben ebenfalls eine Photovoltaikanlage, seit acht Jahren einen Pelletofen, sind also voll im Thema drin. Die PV läuft 2028 aus der Förderung; wir überlegen, sie dann eventuell auf 30 Kilowatt (kW) Leistung hochzurüsten und den Strom, wenn es die gesetzlichen Voraussetzungen gibt, zu vermarkten.“ Die Nutzung von Solarstrom und Pellets sei zudem eine ökologische Entscheidung, ergänzen Vetters, „und da wir auch ein Holzhaus haben, ist das so schlüssig“, verdeutlicht das Paar, das in Straßenhaus lebt.

„Wir haben zwei Sägelinien: wir haben eine Schwachholzlinie und wir haben eine Starkholzlinie“, erklärt Daniel Rahn, während er die Gruppe mit den Vetters auf das Dach des Sägewerkes geleitet. Von dort aus können die Besucher im Rahmen der Betriebsführung einen wunderbaren Überblick über die unterschiedlichen Holzpolter bekommen.

Rahns Kollege und Betriebsleiter Jan-Philipp Alhäuser erläutert auf seiner Runde mit Gästen, dass 24 verschiedene Polter nach Durchmessern und Länge des Rundholz‘ sortiert seien, damit die Schwachholzlinie nicht allzu oft umgebaut werden müsse, da sie mit einem festen Maß arbeitet. Im Unterschied dazu haben die Abschnitte in den Poltern für die Starkholzlinie ganz verschiedene Durchmesser, was man vom Dach aus sehr gut erkennen kann. Die Blockbandsäge in der Starkholzlinie vermöge es nämlich, variable Dimensionen zugleich zu verarbeiten, so Alhäuser.

Die Betriebsführungen sind offenkundig äußerst beliebt: Mehrfach sammeln sich am Treffpunkt zu den stündlich startenden Rundgängen derart viele Interessenten, dass die Gruppen geteilt werden müssen.

Unterwegs erfahren die Besucher immer wieder Einzelheiten, die sie in Erstaunen versetzen: dass die Sägeblätter der neuen Blockbandsäge im Mittel gerade einmal 16 Stunden lang zu nutzen sind etwa, ehe sie nachgeschärft werden müssen. Oder, dass jedes 360 Zähne habe, jedoch nicht mehr optimal schneide, sobald nur einer davon schief stehe. Die Leistungsaufnahme der Anlage in Höhe von 1.100 kW beeindruckt genauso wie die des ganzen Werks, das bis zu 1.400 kW Strom benötigt.

Zu einer der von Jan-Philipp Alhäuser begleiteten Besuchergruppen gehören Wolfgang und Sabine Schwabe. Sie sind das erste Mal in Langenbach. Das Paar ist gezielt aus dem Taunus in den benachbarten Westerwald gekommen. „100 Jahre? Da fahren wir mal hin“, überlegte sich Wolfgang Schwabe. Er und seine Frau Sabine sind eine gute Stunde mit dem Auto unterwegs gewesen, leben in Heidenrod. „Viel Windenergie bei uns. Heidenrod hat, so glaube ich, jetzt das 19. Windrad aufgestellt“, führt Schwabe aus und ergänzt: „Ich habe bei meiner letzten Bestellung die Pellets von den ‚Westerwälder Holzpellets‘ gekauft.“ Nun wolle er schauen, wie sie gemacht werden.

Seit über 20 Jahren habe er eine Stückholzheizung. Aber er frage sich allmählich, wie lange er, wie bislang, noch selbst Holz machen könne. „Vom Alter her. Also war die Frage, was machen wir: Wärmepumpe oder eine Kombiheizung mit Pellets? Und da haben wir uns für die Kombiheizung entschieden. Wenn es nicht mehr geht, wir nicht mehr gesund genug sind, uns selbst um den Brennstoff zu kümmern, dann steigen wir einfach komplett auf Pellets um.“

Andreas Schneider war zwar zuvor schon einmal bei einem Besuchertag des Langenbacher Energieversorgers, „aber so eine Führung habe ich bisher noch nicht mitgemacht“, betont er. „Wir haben eine Pelletanlage und sind auch selbst im Wald unterwegs. Deshalb sind wir daran interessiert, was man alles mit Holz machen kann. Und wir wollen mal schauen, wo der Brennstoff für unsere Heizung herkommt“, sagt Schneider, der mit Sohn Christoph und dessen Partnerin Helena Holl aus Linz (Kreis Neuwied) zu den diesjährigen „Tagen der offenen Tür“ angereist ist.

Andreas und Christoph Schneider, Helena Holl (von links): daran interessiert, was man mit Holz machen kann.

Er schildert, dass der Heizungsbauer der Familie bestätigt habe, dass der Betrieb der Wärmequelle mit Westerwälder Holzpellets gut funktioniere, „die sehr gut verbrennen und wir mit Schlacke und Asche keine großen Probleme haben“, so Schneider. Der ökologische Gedanke und der Umstand, mit Holz einen nachwachsenden Rohstoff zu nutzen, habe ihn zur Anschaffung einer Pelletheizung bewogen. „Außerdem gab es damals keine Möglichkeit, einen Gasanschluss zu bekommen für eine Gasheizung. Und aus heutiger Sicht würde ich ohnehin keine Gasanlage mehr machen!“ Seit vier Jahren arbeitet seine Pelletheizung, „ich würde mich wieder so entscheiden“, unterstreicht der Linzer.

Erfahrungen mit Heizmaterial aus Langenbach haben Sylvie und Werner ebenfalls gemacht. „Ich habe hier vor einer Weile Holzbriketts gekauft mit meinem Nachbarn, der auch den Strom von MANN bezieht. Und der hat mir gesagt, ich solle mir das doch gefälligst mal angucken“, zwinkert Werner. Er und seine Partnerin Sylvie wohnen seit zwei Jahren in Stein-Wingert, sind in die Region gezogen. „Die Werksführung ist sehr interessant“, das betonen die zwei. „Ich hatte keine Vorstellung“, fügt Sylvie an. „Ich habe ja schon gesehen, wie riesig das hier ist, als ich die Briketts geholt habe“, erläutert Werner, „aber so eine Bandsäge, die wir gerade gesehen haben, so etwas ist schon beeindruckend.“

Paula könnte unterdessen noch lange weiter mit den völlig ungiftigen Pellets im Pelletwerk spielen. Aber Mama und Papa meinen, dass die Familie nun weitergehen müsse. Paulas Vater möchte im Rahmen der Betriebsführung gerne noch den Großspeicher von „MANN Naturenergie“ sehen, ihr Bruder wünscht sich außerdem eine Runde im kleinen Dampfkarussell. Und ein paar Pommes frites von einem der Verpflegungsstände auf dem MANN-Geburtstag, die wären ebenfalls nicht schlecht!

Noch 15 Stunden und drei Minuten

Wer Jan-Philipp Alhäuser beruflich begegnet, der erlebt ihn zumeist in grellen Neon-Farben. Der Betriebsleiter der „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) ist häufig in den Sägewerken des Unternehmens oder auf dem dortigen Rundholzplatz unterwegs, darum trägt er orange-gelbe Warnkleidung. Im Stöffel-Park in Enspel jedoch ist der Westerwälder an diesem Nachmittag ganz in Schwarz und Grün gehüllt – die Farben des Trikots der „MANNschaft e. V.“. Aus diesem vom WWHW-Schwesterunternehmen „MANN Naturenergie“ gesponserten Verein zur Förderung des Ausdauersports sind acht Aktive am Start der diesjährigen „Stöffel-Race 24H MTB Challenge“.

Daniel Rahn saust durch die Historische Werkstatt. Fotos: Schmalenbach

Im vorigen Jahrhundert, als im Steinbruch „Stöffel“ fleißig Basalt abgebaut und verarbeitet wurde, da fuhren mit dem Gestein beladene Loren den „Bremsberg“ hinunter zur Bahnverladung am Fuß dieser steilen Rampe, auf der sie abgebremst werden mussten (und zogen dabei, die Physik ausnutzend, zugleich leere Wagen wieder hinauf). Doch jetzt ist der etwa 50 Meter lange Anstieg ein besonders „giftiger“ Abschnitt kurz vor der Zieldurchfahrt des circa vier Kilometer langen Rundkurses beim „Stöffel-Race“. So steil, dass später, am Abend, wenn alle schon einige Runden in den Beinen haben, mancher vom Rad springen und hinauf schieben wird.

Der Stöffel-Park bietet Besuchern viele sehenswerte Bereiche, in denen die Natur oftmals ihr Terrain zurückerobert hat.

Das Rennen findet zum 13. Mal auf dem Gelände des einstigen Basaltwerkes statt, in dem heute der „Stöffel-Park“ eingerichtet worden ist. Dieser Tertiär- und Industrie-Erlebnispark ist Teil des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus. Besucher erleben dort imposante Industriegebäude und -anlagen, Hinterlassenschaften der den Basalt abbauenden Firma Adrian aus dem 20. Jahrhundert.

Im umgebenden, 140 Hektar großen Areal, durch das sich länger als 100 Jahre lang die Bagger gefressen haben und heute die MTB-Strecke führt, hat sich seit dem letzten Produktionstag im Dezember 2003 die Natur ihr Terrain in weiten Teilen zurückerobert. An den Abbruchhalden tummeln sich Pionierpflanzen wie Natternkopf und Nachtkerze, daneben sprießen junge Birken. Ein origineller Steinbruch-Erlebnisgarten in dieser unwirklichen Kulisse ist ebenso ein Highlight wie Kunstwerke von einem Dutzend Bildhauern, deren Werke Wege säumen. Im in den Park integrierten Erlebnismuseum „Tertiärum“ wird deutlich, wie die Tier- und Pflanzenwelt in der Region vor 25 Millionen Jahren aussah.

Doch für solcherlei Attraktionen haben die acht Sportler der „MANNschaft“ heute verständlicherweise keinen Sinn. Zwei von ihnen sind als Einzelfahrer ins „Stöffel-Race“ gestartet, die anderen sechs messen sich in der Kategorie Sechser-Staffel. Dabei wird ein elektronischer Transponder von Fahrer zu Fahrer weitergegeben, mit dessen Hilfe jede Runde gezählt wird, die das Team vollendet. Zum Schluss gewinnt die Gruppe, die in den 24 Stunden von 12 Uhr am Samstag bis zum Mittag am Folgetag die meisten Runden geschafft hat.

Geheizt wird im Stöffel-Park mit Westerwälder Holzpellets.

Dass die „MANNschaft“ bei dem Event in Enspel im Oberwesterwald antritt, hat eine besondere Bedeutung. Denn ihr Hauptsponsor, die Firmengruppe MANN, hat eine ausgesprochen enge Verbindung zum „Stöffel-Park“: In diesem wird mit Westerwälder Holzpellets geheizt. Und bei der Anschaffung der zugehörigen Heizanlage, die 2006 im Keller der Historischen Werkstatt untergebracht wurde, hat das Unternehmen gleichermaßen geholfen.

Ihren ersten E-LKW haben die Langenbacher ebenfalls in Enspel vorgestellt.

Genauso engagierte sich Firmenchef Markus Mann, als der Stöffelverein die Original-Dampfmaschine „Romeo“ erwarb, die ihrerseits im Park zu sehen ist und an denen die Sportler beim „Stöffel-Race“ auch entlangfahren. Der Stöffel-Park war zudem die Bühne, auf der die zu MANN gehörenden seinerzeitigen „Westerwälder Holzpellets“ den „Futuricum“, ihren ersten vollelektrischen Pellet-Lkw, der Weltöffentlichkeit vorstellten. Und beim „Wäller Gartenpreis“, der bereits zweimal in der Alten Werkstatt des Parks verliehen wurde, bringt sich Markus Mann ehrenamtlich als Jurymitglied und Baum-Stifter ein.

Damit nicht genug: Vor exakt zehn Jahren entstand die Mountainbike-Abteilung der „MANNschaft“ quasi aus der Teilnahme an dem damaligen Event im Stöffel-Park. 2025 ist der Verein erstmals wieder bei dem Rennen in seiner Heimat dabei. Außerdem sind mit dem besagten Jan-Philipp Alhäuser sowie Daniel Rahn zwei MANN-Mitarbeiter im 6er-MTB-Team vertreten.

Durch die modifizierte Strecke sind die „MANNschaft“ und alle anderen Teilnehmer in diesem Jahr auch in der Kulisse des aktiven Steinbruchs unterwegs.

Letzterer absolviert gerade seine siebte Runde auf der Rennstrecke und donnert just über die Gummimatten, mit denen das Kopfsteinpflaster und ein Schienenstrang in der Historischen Werkstatt für das Rennen abgedeckt worden sind. Das grobe Profil der MTB-Reifen dröhnt auf dem Belag.

So wie bei dieser Passage oder am bereits erwähnten Bremsberg bietet das „Stöffel-Race“ eine insgesamt faszinierende Streckenführung: Mal geht es am „Stöffel-See“ vorbei, dann über festen Basaltboden, ehe dickere Gesteinsbrocken folgen. Dann wieder steht eine Waldabfahrt an oder der Kurs führt unter alten Förderbändern hindurch. Fast 100 Höhenmeter auf nur vier Kilometern – die Runde für Runde bewältigt werden müssen! – machen den Kurs konditionell anspruchsvoll.

„Die Strecke ist in diesem Jahr gegenüber früheren Austragungen etwas umgebaut worden“, schildert Jan-Philipp Alhäuser, der zum ersten Mal beim „Stöffel-Race“ fährt. „Wir dürfen jetzt sogar durch den aktiven Teil des Steinbruchs.“

Zu Beginn des Wettbewerbs sei die Strecke abschnittweise recht grob und schwierig zu meistern gewesen, weil unterwegs viel Geröll, Schotter herumliegt, beschreibt Alhäuser. Doch nach den ersten Runden der späteren 197 Finisher, die die Ergebnisliste aufführen wird, bilden sich Fahrspuren, was auch technisch nicht so geübten Sportlern das Vorankommen erleichtert, mehr Grip bietet.

Die „MANNschaft“ hat ihre Zelte zwischen alten Brecheranlagen aufgeschlagen.

Die „MANNschaft“ wählt im 6er-Team zunächst einen Rhythmus, bei dem jeder Sportler zwei Runden in Folge absolviert, ehe der nächste an der Reihe ist und den Transponder übernimmt. Nachts stellen die Westerwälder das System um, jeder fährt vier Runden am Stück, so dass die Pausierenden sich zwischen ihren Einsätzen länger erholen können.

Apropos erholen: Pierre Joswig legt, um 21 Uhr, seine erste längere Ruhepause ein. Bereits ein wenig abgekämpft – es liegen schon 24 Runden hinter ihm –, hat der Einzelstarter mit dem MANN-Logo auf dem Trikot es sich auf einer Pritsche im Fahrerlager bequem gemacht. Seine Unterschenkel sind mit einer dicken Schicht schwarz-grauen Basaltstaubs bedeckt.

Erste Pause für Pierre Joswig (rechts)!

Pierre ist ein wahrhaft fröhlicher Geselle und auf eine sympathische Art „sportverrückt“: Er hat diverse Feuerwehrsportwettbewerbe auf sich genommen, unter anderem beim „Megamarsch“ trat er an und lief 100 Kilometer in kompletter Montur eines Wehrmanns samt Atemluftflasche auf dem Rücken. „Deswegen habe ich mir überlegt, ich kann hier auch mit so’m Rad starten, quasi als Extra-Challenge“, lacht er laut. „Mein Rad ist das schlechteste Fahrrad auf dem Platz, das habe ich mir eigentlich nur geholt, um mit meinem Sohn ein bisschen im Wald herumzufahren. Aber da der Stöffel-Park gerade einmal 15 Kilometer von meinem Wohnort Krümmel entfernt ist, habe ich gedacht, kann ich mich auch mal hier anmelden!“

Unterstützung für Einzelfahrer: Pierre Rückert-Hohs reicht Christopher Schneider eine neue Trinkflasche.

In der „MANNschaft“ ist Pierre Joswig sonst eigentlich als Triathlet dabei. Für den „Ironman“ 2026 ist er bereits registriert. Im September vergangenen Jahres stieß er zu der Gruppe, wie er berichtet: „Im Frühjahr ging mein altes Vintage-Rennrad kaputt. Daraufhin habe ich mir als Jobbike über meine Arbeit ein ordentliches Rennrad zugelegt“, erzählt er. „Dann startete mein Sohn, er wird jetzt zehn, bei ‚Ironkids‘. Ich dachte mir, da muss ich mal nachlegen… Anschließend bin ich mit ihm beim Zwölf-Stunden-Schwimmen in Herschbach gewesen. Dort bin ich in Kontakt mit der ‚MANNschaft‘ gekommen. Da habe ich mir überlegt: Wenn ich jetzt nicht da eintrete, wann dann? Ich werde ja auch nicht jünger…“

Im vergangenen Jahr hatte sich Pierre Joswig den „Stöffel-Park“ noch gemeinsam mit seinem Sohn angeschaut. „Da wusste ich also vorher schon, dass es hier sehr steil hoch und runter geht. Aber mit dem Fahrrad immer wieder die Höhenmeter – das ist etwas ganz anderes, als wenn man einmal hier herumspaziert“, zwinkert Pierre.

Selbst zur Halbzeit des Rennens wirkt Christopher Schneider am steilsten Streckenabschnitt noch frisch. Am Ende wird er sogar Gesamtzweiter!

Auch Pierre Rückert-Hohs, er ist Mitglied im 6er-Team, hat gerade Pause. Die nutzt er, um den zweiten Einzelstarter der „MANNschaft“, Christopher Schneider, zu unterstützen: Zwischen Bremsberg und Zieleinlaufbogen reicht er ihm eine neue Trinkflasche an, damit sein Kamerad gar nicht erst stoppen muss. „Und den Pierre Joswig, unseren zweiten Einzelstarter, supporten wir auch“, sagt Rückert-Hohs.

Dem Namensvetter repariert Rückert-Hohs im Laufe des 24-Stunden-Rennens mehrmals das Rad – glücklicherweise ist er beruflich als Zweiradmechaniker tätig und kann darum super weiterhelfen, wenn das 20 Kilo schwere „Zündapp“ nicht mehr recht will.

Darüber hinaus jedoch wird die „MANNschaft“ am Ende der 24 Stunden erfreulicherweise keinen einzigen Defekt zu beklagen haben, obwohl mit 105 Runden im 6er-Team und 93 sowie 56 bei den beiden Einzelfahrern insgesamt über 1.000 Kilometer zwischen den Basaltbrocken und Industriedenkmälern zusammengestrampelt werden.

„Die Strecke ist anspruchsvoll“, urteilt auch Rückert-Hohs, „es sind halt viele Höhenmeter drin auf der kurzen Distanz.“ Dass die „MANNschaft“ teilnimmt, hat nach seiner Darstellung noch einen weiteren Grund neben der speziellen Beziehung des Vereins und seines Sponsors zum Stöffel-Park: „Wir ‚mussten‘ ja dieses Jahr noch irgendein 24-Stunden-Rennen fahren; das war uns wichtig“, schmunzelt Pierre Rückert-Hohs. „Auf dem Nürburgring bei ‚Rad am Ring‘ haben wir keinen Startplatz bekommen.“ Dort war die „MANNschaft“ 2023 und 2024 mit 22 beziehungsweise 13 Sportlern vertreten (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete).

Spektakuläre Abfahrt an der „Basaltbühne“.

Als allmählich die Dämmerung über stillgelegten Brecheranlagen und rostigen Förderbändern hereinbricht, zeigen die großen roten LED-Ziffern auf der offiziellen Zeitnahmeuhr an der Zieldurchfahrt noch 15 Stunden und drei Minuten Restrennzeit an. Bisher läuft es gut für die „MANNschaft“, sie liegt auf dem zweiten Platz in der Gesamtwertung der 6er-Teams. Dennis Pauschert ist der nächste, der auf die Strecke geht. Er steht wartend in der Wechselzone und übernimmt kurz darauf den Transponder des ankommenden Pascal Meyers.

Mitternacht, inzwischen ist es richtig dunkel. Unzählige Fledermäuse sausen nun über den Köpfen der Sportler zwischen Birken und Industrieanlagen umher auf der Jagd nach Nahrung. Immer wieder blitzen wegen der Unebenheiten des Untergrunds stark zappelnde Lichtkegel der Lampen auf, die die Sportler auf ihren Helmen und an ihren Bikes befestigt haben. Es sieht schon spektakulär aus, wenn die Waghalsigsten unter ihnen die steile Schussfahrt neben der Basaltbühne nahezu ohne zu bremsen hinunterdonnern, haarscharf vorbei an einem mit einem Strohballen abgepolsterten, rostigen Metallpfeiler – ehe sie vor einer 180-Grad-Kehre mit zum Teil blockierenden Rädern scharf abbremsen müssen, um die Einfahrt in die Historische Werkstatt zu schaffen.

Weniger rasant, doch dafür emotional umso mitreißender geht es unterdessen am Bremsberg zu. Ihn haben die Organisatoren für die Nacht zum Teil in grünes und rosa Licht gehüllt, und soweit man bei dieser Beleuchtung die Gesichtsausdrücke überhaupt noch erkennen kann, haben mehr und mehr MTB-Fahrer wirklich zu kämpfen, wenn sie sich den Anstieg im Schein der Lampen das x-te Mal hinaufquälen…

Gerade kommt Pierre Joswig abermals oben an. Mag sein „Zündapp“ auch schwer, technisch vom Niveau der meisten Räder hier weit entfernt sein – etliche darunter sind viele tausend Euro teuer: Er wird ebenso finishen wie seine Kameraden der „MANNschaft“ und mit 56 Runden immerhin auf den 14. Platz der Einzelwertung der Männer fahren.

Die Alte Werkstatt ist in der Nacht der einzig gut beleuchtete Ort auf dem Rundkurs – ehe es für Christopher Schneider wieder in die Dunkelheit hinausgeht.

In dieser Rangliste findet sich Christopher Schneider schlussendlich ganz weit oben: Platz 2 für den zweiten Einzelstarter des mit MANN verbundenen Vereins! Nach genau 24 Stunden und 13 Sekunden Rennzeit rollt er zum 93. Mal unter dem roten Zieleinlaufbogen durch.

…wobei: So ganz stimmt diese Darstellung nicht. Denn eine halbe Stunde vor dem Schluss des Wettbewerbs wirft eine starke Windböe den Bogen um. Er muss daraufhin weggeräumt werden. Auch ein Zelt der Standnachbarn der „MANNschaft“ im Fahrerlager wird zerfetzt, während das schwarz-grüne Team zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise schon alles sicher auf einem Fahrzeug verstaut hat.

Da sich das Wetter „pünktlich“ zum Endes des Rennens so verschlechtert, findet die Siegerehrung bei deutlich abgekühlten Temperaturen im Regen statt. Aber wen stört das schon wirklich, wenn man es geschafft hat, 24 Stunden lang auf dem Rad zu sein, losen Gesteinsbrocken und dichtem Basaltstaub zu trotzen, sich auf technisch anspruchsvolle Abschnitte zu konzentrieren und als Team beachtliche 105 Durchgänge auf der Rennstrecke zusammenzubekommen, aufgeteilt auf 14 (Jan-Philipp Alhäuser) bis 20 Runden (Pierre Rückert-Hohs) pro Sportler im 6er-MTB-Team der „MANNschaft“. Diese Leistung wird ebenfalls mit einem zweiten Platz in der Gesamtwertung belohnt!

Jan-Philipp Alhäuser kurbelt gleichmäßig hinauf.

Doch aus dem so geschichtsträchtigen Stöffel-Park nimmt man als Beobachter vor allem den Eindruck mit, dass der Spaß und das Gemeinschaftserlebnis bei einem Rennen, zu dem die „MANNschaft“ eine besondere Beziehung hat, das Wichtigste in den zurückliegenden 24 Stunden gewesen zu sein scheint.

Uwe Schmalenbach

Menschen, die Freude am Holz haben

Der Cluster Holz bietet mit über 1,3 Millionen Arbeitsplätzen hierzulande deutlich mehr Beschäftigten ein Auskommen, als die Automobilindustrie (siehe Kasten). Vor allem sorgt dieser Wirtschaftszweig dafür, dass seine Produkte, die noch dazu alle aus einem nachwachsenden Rohstoff entstehen, in der Möbelbranche, der Verpackungsindustrie oder zum Wohnungsbau genutzt werden können. Die „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) sind ein Teil dieses wichtigen Clusters.

„Hingucker“ auf der „Eichenfläche“: der E-Pellet-Lkw.

„Einerseits ist es die riesige Freude am Produkt, am Holz. Und man trifft hier andererseits Menschen, die Freude am Holz haben.“ So begründet Markus Mann, warum er mit seinen „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) als einer von 112 Ausstellern bei den diesjährigen „Westerwälder Holztagen“ vertreten ist – trotz der großen Mühe, die so eine Teilnahme für alle bedeutet. Denn es müssen der Messestand, diverse Materialien zusammengestellt und hin- und hergefahren, auf- und abgebaut werden. Man benötigt Standpersonal, um sich kompetent um alle Besucherwünsche kümmern zu können, und Gebühren sind für die Präsenz auf der Veranstaltung in Oberhonnefeld-Gierend selbstverständlich ebenfalls fällig.

Die WWHW sind gleich mit zwei Ständen auf den „Westerwälder Holztagen“ vertreten: Draußen, im „Eichenfläche“ benannten Teil der Schau, haben sie unter anderem einen vollelektrischen Pellet-Lkw mitgebracht. Für die ökologische Auslieferung des Brennstoffs interessieren sich viele Besucher („Wie weit kann man damit fahren?“). Vor dem Fahrzeug sind Anwendungsbeispiele sowie verschiedene Dielen aus dem neuen „Holz-im-Garten“-Angebot des Langenbacher Traditionsunternehmens, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, aufgebaut. Auch sie ziehen viele neugierige Blicke an, denn ein natürliches Material anstelle von noch immer weitverbreiteten Waschbetonfliesen oder Ähnlichem im Garten zu verlegen, scheint Etlichen auf den „Holztagen“ eine lohnende Alternative zu sein.

Im sogenannten „Douglasienzelt“ sind die WWHW ebenfalls präsent und haben außerdem ihr Schwesterunternehmen „MANN Naturenergie“ mitgebracht. An dessen Stand informieren sich gerade Gerald und Utta Didierlaurent über die Tarife des echten Ökostroms von MANN, der sogar das „Grüner-Strom-Label“ (GSL) trägt.

Nutzen die Informationsmöglichkeit: Utta und Gerald Didierlaurent sprechen mit Selina Alzer (links) über Stromtarife. Fotos: Schmalenbach

„Wir waren vor vielen Jahren schon einmal hier bei der Veranstaltung. Das hat uns sehr gut gefallen“, schildert Frau Didierlaurent. „Deswegen haben wir gedacht, nach so langer Zeit können wir uns das gerne nochmal anschauen und uns auf den neuesten Stand der regionalen Produkte hier bringen.“

Regionalität sei für sie beide insgesamt sehr bedeutsam, fügt ihr Ehemann hinzu. „Einfach deswegen, weil es da um die Arbeit in der Region geht“, ergänzt Utta Didierlaurent, „wir haben es nicht gerne, wenn Knoblauch aus China importiert wird. Da kommt immer der Gedanke, dass man vergisst, dass bei billigen Produkten aus dem Ausland die Umwelt einen Preis zahlt. Darum wollen wir möglichst regional kaufen. Das ist ökologisch relevant, aber zugleich ökonomisch! Denn die Anbieter in der Region müssen auch überleben können.“ Deswegen bedauert das Paar aus Neuwied es, dass die Innenstädte zusehends „nur noch aus überregionalen Ketten“ bestehen.

Am Stand von „MANN Naturenergie“ haben sich Gerald und Utta Didierlaurent soeben bei MANN-Mitarbeiterin Selina Alzer zu einem reinen Ökostromtarif beraten lassen und wollen diesen zu Hause anhand des Online-Tarifrechners von „MANN Strom“ einmal mit ihrem bisherigen Stromtarif vergleichen.

„Die Menschen, die uns hier auf den ‚Westerwälder Holztagen‘ besuchen, sind nicht einfach nur ‚Give-away-Sammler‘, sondern Leute, die konkrete Fragen mitgebracht haben“, bestätigt Markus Mann. „Gerade unser neues Produkt ‚Holz im Garten‘ beschäftigt viele: ‚Ach, das macht ihr jetzt?‘ ‚Wie macht ihr das?‘“, erzählt er. Die Besucher seien Menschen, die sich wirklich interessierten und mit den auf den „Westerwälder Holztagen“ dargestellten Themen beschäftigen.

Naherholungsgebiet, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Lärmschutz, Wasser- und CO2-Speicher, Wirtschaftsfläche und anderes mehr: der Wald hat viele wichtige Funktionen. Bei der Lobbyarbeit dafür sieht Gerhard Willms im Gespräch mit der „Wäller Energiezeitung“ auf den „Holztagen“ noch Verbesserungspotenzial. Er hat die Produktleitung für Umweltbildung, Walderleben und Waldinformation beim Forstamt Dierdorf inne, das für den gesamten Landkreis Neuwied zuständig ist, in dem Oberhonnefeld-Gierend liegt.

Der Forstmann wünscht sich etwa, dass mehr Architekten die tollen Möglichkeiten des Baustoffs Holz erkennen: „Die Architekten sind immer sehr vorsichtig, wenn es um den Holzbau geht. Zudem wird zuweilen behauptet, dass Hausbau mit Holz teurer sei, was nicht stimmt“, betont er. Willms hofft, dass in dem Bereich in Zukunft mehr Know-How vermittelt wird und Architekten „den so schönen Werkstoff“ (Willms) verstärkt nutzten. „Der Werkstoff ist nachhaltig, aus der Region, nachwachsend!“, unterstreicht der Fachmann.

Forstmann Gerhard Willms hofft, dass künftig noch mehr mit Holz gebaut wird.

Mit der Resonanz auf die Möglichkeit, als Aussteller oder Besucher bei den „Westerwälder Holztagen“ dabei zu sein, sei er sehr zufrieden, sagt Gerhard Willms, der das Event mit organisiert hat. Die Beteiligung der Westerwälder Unternehmen wie der WWHW, die sich dabei trotz des Aufwands und der Kosten präsentierten, zeigen nach seiner Einschätzung vor allem eines: dass sie ein hohes Bewusstsein für das Thema Holz und seine große Bedeutung für die Region haben.

Mann: Neuer Name spiegelt breiteres Sortiment

„MANN Naturenergie“ und „Westerwälder Holzpellets“ (WWP) sind im Norden von Rheinland-Pfalz und dem angrenzenden Siegerland sehr bekannte Marken. Vor kurzem wurden beim Registergericht Montabaur die „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) eingetragen. Was es mit dieser neuen Bezeichnung auf sich hat, darüber sprach Uwe Schmalenbach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der WWHW, Markus Mann.

„Holz ist der schönste Rohstoff, den es überhaupt gibt! Und er wächst nach – Eisenerz und Beton nicht. Wenn wir dieses Holz als Ersatz für fossile Rohstoffe nutzen können, ist das ein wunderbares Thema“, sagt Markus Mann. Fotos: Schmalenbach

Wieso benennen Sie Ihr Unternehmen um?

Das ist relativ einfach: Als wir 2001 mit dem Pelletieren begonnen haben, haben wir im Prinzip das Holz von Tante Annas Sägewerk in der Nachbarschaft zu Holzpellets gemacht. Da war logisch, dass wir unsere Firma „Westerwälder Holzpellets“ nennen.

Das passt jetzt nicht mehr?

Damals konnte ich nicht erahnen, dass sich unser Betrieb so weiterentwickelt, dass wir heute ganz andere Schwerpunkte haben, auch in der Wertschöpfung. Und dass wir ein viel breiteres Produktsortiment herstellen – Schnittholz, Kantholz, Bretter für Verpackungen, für den Innenausbau und für den Gartenbau.

Deswegen mussten die „Westerwälder Holzwerke“ als Begriff her?

Wir haben lange hin und her überlegt, was wir machen können, um dieser Veränderung im Sortiment in der Namensgebung Rechnung zu tragen. Denn im Grunde bleibt sonst alles wie es ist. Alle Kontonummern und unsere Handelsregisternummer sind wie zuvor, selbst das Logo ändert sich eigentlich nicht. Nur: Wir heißen jetzt Holz-WERKE, denn inzwischen steht hier mehr als ein Werk an unserem Firmensitz in Langenbach.

Wie meinen Sie das?

Nun, im Grunde gibt es inzwischen drei Hauptbereiche: unser Schwachholzwerk, unser Starkholzwerk und halt auch das Pelletwerk. Ganz nebenbei betreiben wir hier zudem unser eigenes Biomasse-Kraftwerk (schmunzelt). Durch die vielen Werke sind nun die „Westerwälder Holzwerke“ zum Unternehmensnamen geworden.

Aber die bekannten Westerwälder Holzpellets verschwinden deswegen nicht vom Markt?

Nee, nee, die Marke bleibt, das Produkt behält auch seine Bezeichnung Westerwälder Holzpellets. Doch wir beschäftigen uns eben inzwischen gleichermaßen sehr umfassend mit Schnittholz. Bei uns war es schließlich schon immer ein wichtiges, da nachhaltiges Prinzip, dass stoffliche Nutzung vor energetische Nutzung geht.

Was hat das mit dem Schnittholz zu tun?

Wir machen aus rund eckig, und alles was wir nicht eckig machen, machen wir wieder rund, und zwar zu Pellets. Eckig ist das stofflich nutzbare Brett für Bau, Verpackung, Garten.

Als treuer Kunde der bisherigen Firma „Westerwälder Holzpellets“ muss ich aber nicht fürchten, künftig minderwertige Qualität aus anderen Quellen kaufen zu müssen?

Ganz im Gegenteil! Wir haben weiter investiert und „die Flucht nach vorne ergriffen“, weil wir mit unseren Kunden wachsen wollten. Wir haben im Zuge dessen auch eine weitere Sägetechnik installiert, so dass wir jetzt ein erweitertes Rohstoffangebot nutzen können.

Auf dem Rundholzplatz des Langenbacher Unternehmens sieht man die Veränderung im Sortiment: Die Rundholzabschnitte haben nun sehr unterschiedliche Durchmesser.

Warum ist das sinnvoll?

Sie wissen auch: Der Westerwald hat sein Angesicht verändert. Durch die Investition können wir ebenso andere Holzarten verarbeiten oder Holzsortimente nutzen, mit denen sich heute andere Säger nicht so beschäftigen können, nämlich mit Übergrößen bis zu einem Meter Durchmesser. Somit haben wir künftig das Potential, ein gutes Drittel mehr selbst herzustellen.

Vorhin haben Sie von „Holz im Garten“ gesprochen. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Es ist schlicht gemütlich und schöner, auf einer Holz-Terrasse zu sitzen anstatt auf Waschbetonsteinen. Die kann man ja mal austauschen oder eine alte Terrasse mit neuem Holz aufwerten. Wir haben einfach wunderbare heimische Holzarten, die den Rohstoff bieten, um daraus ein Brett zu machen; ein geriffeltes, gehobeltes Brett oder ebenso ballig, das heißt, das Wasser läuft schön ab, wenn es mal regnet. Diese Holzsortimente samt Unterkonstruktion kann man hier bei uns kaufen, wir stellen sie selbst her.

„Westerwälder Holzwerke“ und Holz im Garten: Warum ist das Ihrer Meinung nach eine gute Kombination?

Weil wir gesagt haben, wir wollen nicht irgendwelche Importe aus Osteuropa oder Bongossi-Holz aus den Tropen, das für eine Terrasse genutzt wird! Wir haben wunderschöne heimische Holzarten, die können wir hier verarbeiten und veredeln. Das ist zum Glück ein Trend, die Menschen kaufen bewusster ein. Wir sind nachhaltigkeitszertifiziert, stellen unsere Produkte mit Ökostrom her, und nun haben wir unser Portfolio erweitert, damit wir genauso Holz für weitere Zwecke anbieten können. Und wenn es die Hausfassade ist, die attraktiv gestaltet wird mit so einer Rautenschalung. Alles das machen wir jetzt hier bei uns in Langenbach.

Markus Mann erklärt im Interview mit der „Wäller Energiezeitung“, was es mit dem neuen Namen auf sich hat.

Kann ich mir mit einem kleinen Budget Holz aus Langenbach leisten? Oder ist es wegen Ihrer Arbeitsweise – Sie haben gerade die Nachhaltigkeit erwähnt – mit höheren Preisen verbunden als an anderer Stelle?

Garantiert nicht! Wir sind absolut marktkonform, denn einerseits haben wir kurze Wege, sind sehr effizient und energieautark aufgestellt. Und mindestens zwei Verwaltungsstufen weniger haben wir als schlanker, gesunder Familienbetrieb außerdem. (lacht)